Kapverdische Inseln, Karge Schönheit im Atlantik

Es sind 15 Inseln, vulkanischen Ursprungs, rund 500 Kilometer westlich vor der Küste Senegals. 1975 wurde das Land von Portugal in die Unabhängigkeit entlassen. Fast zwei Drittel der auf Kap Verde geborenen Menschen leben als Emigranten im Ausland, weil das Land sie nicht ernähren kann. Während der Sklavenzeit war auf Kap Verde die Ware  „Mensch“ gefragt: zur unfreiwilligen Verschiffung nach Amerika. Heute richtet sich die Hoffnung auf das freiwillige Ankommen von Urlaubstouristen. Für Bergsteiger, Surfer, Taucher und Badeurlauber hat das Land einiges zu bieten: imposante Bergregionen, Vulkane, weite Sandstrände, Wind und kristallklares Wasser. Hinzu kommt ein Reichtum an gelebter Kultur und Gastfreundschaft. Wer sich in Kap Verde umsehen will, braucht Neugier und Zeit. Dafür erhält man die Chance, die „Langsamkeit im Reisen“ und die Freude an der „Einfachheit, am Detail“, wieder neu zu entdecken.

Beim Sortieren meiner Bilddateien flutschten mir die Fotos der Kap Verden über den Bildschirm. Immer noch begeistern mich die Bilder an diese Zeit und meine Erinnerungen wurden wach.

Unser Abflug von Frankfurt verzögerte sich, durch die Enteisung der Flugzeuge, erheblich. Es war 1 Tag nach Weihnachten und Frost. In Lissabon wollten wir am Nachmittag unsere Reisegruppe treffen und noch eine Stadtrundfahrt machen, bevor wir in unseren Anschlussflieger nach Kap Verden stiegen. Das wurde nichts, da wir erst zum Abendessen ankamen und danach direkt weiterflogen. Schade gern hätten wir uns noch die Stadt angesehen.

In Kap Verden landeten wir kurz nach Mitternacht in Praia auf der Insel Santiago. Unsere Koffer wurden aus dem Flugzeug direkt in einen offenen Anhänger vom Bus gepackt. Alles sehr, sehr gemächlich, die Uhren gingen hier deutlich langsamer, wir mussten erst einmal richtig ankommen.

Wir wollten nur noch unser Hotel erreichen und dann ab ins Bett. Sehen konnte man nichts mehr, denn es war stockdunkel.

Nach einem späten Frühstück machten wir einen Rundgang durch Praia, die Hauptstadt der Kap Verden. Europäische Einflüsse und afrikanisches Flair ergaben eine bunte Mischung.

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Danach fuhren wir weiter zu unserer ersten Wanderung. Sehr gemütlich ging es 3 Stunden bergab durch ein oasenhaftes Tal, Ribeira  Grande bis zu dem Ort Cidade Velho. Dies war die ehemalige Hauptstadt, zur Zeit der portugiesischen Herrschaft. In dem Tal machten wir vorher noch ein Mittags Picknick. Der Reiseführer Peter hatte in der Stadt auf dem Markt einige frische Sachen besorgt. Am Nachmittag fuhren wir weiter an die Nordküste Santiagos. In Tarrafal, direkt am kleinen Strand lag unser Hotel, wo wir zwei Übernachtungen hatten.

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Der neue Tag begann für uns mit einer Wanderung. Wir genossen die spektakuläre Aussicht in die Schluchten und Schneisen. Es ging durchs Gebirge bis zur Serra da Malagueta und zum Meer. Nach der Wanderung durch die erdgeschichtliche Urzeit besuchten wir ein Jugendzentrum. Der Leiter stellte uns ein Qualifizierungsprogramm für Jugendliche vor. Mit viel Freude wurden uns Tänze und Musik vorgeführt, anschließend saßen wir bei Kaffee und Kuchen zusammen und plauderten.

 

Der nächste Morgen sah schon wieder die Rückfahrt nach Praia vor, aber vorher bekamen wir noch einen Einblick in ein dunkles Kapitel von der jüngeren kapverdischen und portugiesischen Geschichte. Auf dem Weg hielten wir an einer Gedenkstätte des Straflagers von Tarrafal. Auf dem Wochenmarkt von Assomada wurde dann unsere bedrückte Stimmung wieder besser. Der Markt wurde von den Frauen bestimmt. Es gab fast alles Gemüse, Fisch, Obst, Kleidung, Werkzeug, Möbel. Als wir genug geschaut und gekauft hatten, fuhren wir weiter zu unserer Wanderung durch die Serra Santo Antonio.

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Diese Wanderung  war schon etwas anspruchsvoller, da wir nun schon eingelaufen waren. Zum Abschluss des Tages besuchten wir eine Brennerei, in der Grogue hergestellt wurde, die Antwort der Kapverden auf den Rum der Karibik. Hier sahen wir auch Männer bei der Arbeit. Die Frauen die Stützen der kapverdischen Gesellschaft fielen auf. Die meisten Männer im erwerbsfähigen Alter sind ausgewandert und arbeiten auf Baustellen Südeuropas, den USA und auf Schiffen. Im besten Fall schicken sie regelmäßig Geld an die zurückgebliebene Familie. In vielen Fällen reisst der Kontakt aber ganz ab.

 

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Noch einmal übernachten wir in Praia, dem Ankunftshotel. Danach fliegen wir mit dem Inselhopper weiter nach Fogo der Nachbarinsel. Eine halbe Stunde braucht der kleine Propeller Flieger bis Sao Felipe. Zuerst durchstreiften wir das verschlafene Städtchen. Nachmittags führte unser Weg ins Dorf Cha das Caldeiras, mitten hinein in die raue Vulkanlandschaft. Unser Wanderziel für den Tag war der jüngste Vulkan der Kapverden, der Pico Pequeno, der beim letzten Ausbruch des Pico de Fogo 1995 entstanden ist. Eine drei stündige mittelschwere Wanderung. Unsere Unterkunft, wie eine Berghütte, befand sich vor herrlicher Bergkulisse in der Caldera. Es gab keinen elektrischen Strom, wir mussten sehen, dass wir unsere Sachen für die Nacht so zurechtlegten um sie auch im Dunkeln zu finden. Die Dusche bestand aus einem Gemeinschaftsduschraum, auch hier waren Toiletten und Duschraum ohne Licht. Zwei Übernachtungen erlebten wir mit Kerzen Beleuchtung. -eine ganz neue Erfahrung-

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Es war Silvester, ein besonderer Tag, mit einem besonderen Ziel: Die Königsetappe führte uns bis an den Kraterrand des Pico de Fogo in 2750 Meter Höhe. Der Aufstieg durch die Geröllfelder war beschwerlich, wurde aber schließlich von einem einmaligen Panorama belohnt. Als wir ankamen waren wir geschwitzt, konnten uns aber nicht lange ausruhen weil ein starker Wind wehte. Umso lustiger war der Rückweg 1000 Höhenmeter hinunter über ein Aschefeld – Sandboarding in Wanderstiefeln -. Auf- und Abstieg haben ca. 5-6 Stunden gedauert.

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Am Abend hatte der Reiseleiter Musiker aus dem Dorf eingeladen, sodass wir das alte Jahr ausklingen lassen konnten mit Tanz  und kapverdischer Musik. Eine schöne Begrüßung für das neue Jahr und dazu die stimmungsvolle Kerzenbeleuchtung.

Der nächste Tag Neujahr, war wieder ein Flugtag. Über Praia ging es weiter nach Sao Vicente, einer wüstenähnlichen, von Sand und Basalt geprägten Insel.

Wir wohnten in einem Strandhotel am Meer und wurden mit gutem Essen verwöhnt, für 2 Nächte. Die Wanderschuhe waren gelüftet, die Füsse ausgeruht, so konnten wir wieder los gehen. Auf einem alten Küstenpfad war unser Wanderziel der Leuchtturm an der Ponta do Farol. Die kleine Runde dauerte nur 2 Stunden und war bequem zu laufen.

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Am Nachmittag besuchten wir eine Capoeira-Schule. Auf den Kapverden wird dieser brasilianische Tanz als lebendige Tradition gepflegt. Wir waren von der Akrobatik und den Rhythmen der Tänzer begeistert.

Die nächste Station war das Wanderparadies Santo Antao. Diese Insel erreichten wir diesmal mit der Fähre. Tropisch-grüne Täler mit Kaffee- und Bananenplantagen. An dem längst erloschenen Cova-Krater entlang bedeckt mit Magma und Mais dazwischen schlängelte sich der Weg unserer Wanderung. Durch die Ribeira de Paul an Zuckerrohrfeldern und Mangopflanzungen liefen wir zum Talgrund, ca. 4-5 Stunden  fast immer bergab, 850 Höhenmeter, das ging auf die Knie. Im urigen Fischerdorf Ponta do Sol übernachten wir in einer einfachen Pension.

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Zur Schonung meiner Knie blieben wir einen Tag in Ponta do Sol. Wir schauten den ankommenden Fischern am Hafen zu, wie die Frauen die Fische ausnehmen, und die Möwen sich um die Fischreste stritten.

An der naheliegenden Steilküste entlang nach Fontainhas klebten die Häuser wie Taubennester an der Felswand. Dazwischen ging der Wanderweg über Terrassenfelder bergab. Auf diese 5-stündige Wanderung haben wir verzichtet.

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Am nächsten Tag fuhren wir weiter zur Südküste der Insel. Unterwegs gingen wir in Coculi in der Ribeira Grande auf eine 3-stündige Wanderung, nur bergauf, wir wurden vom Bus abgeholt, das kam meinem Knie sehr entgegen. Zwei Mal schliefen wir in Porto Novo einem schönem Hotel. Bevor wir aber Santo Antao, die Wanderinsel verließen, schnürten wir noch einmal unsere Wanderstiefel. Auf ging es zu einem echten „Wanderleckerbissen“, so wurde es uns angepriesen.

(Voraussetzungen: Ausdauer, Schwindelfreiheit und Trittsicherheit, 6 Stunden , 700 Höhenmeter rauf und runter) das sind die Zutaten für das Erlebnis. Das konnten wir uns nicht entgehen lassen. Es war ein typisch kapverdischer Pflasterweg. Unzählige Serpentinen kletterte dieser Weg die Bordeira de Norte empor. Wir bewunderten die Pioniere, die diesen Pfad der fast senkrechten Wand abgetrotzt haben. Von der Höhe führte unsere Rundwanderung dann in das Tal der Ribeira das Patas.

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Und was soll ich sagen ? Es wurde uns nicht zuviel versprochen. Es war eine unvergessliche Wanderung und gleichzeitig auch die Letzte, auf Kap Verden.

Der letzte Tag, war ein Tag ohne Wanderschuhe. Wir genossen die Fährüberfahrt nach Mindelo und warfen einen Abschiedsblick auf Santo Antao. Die Zeit bis zum Weiterflug auf die Ferieninsel Sal vertrieben wir uns mit einem Rundgang durch die Hafenstadt.

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Sonne, Sand und Salz – keine idealen Wanderbedingungen . Deswegen brachte uns der Bus zur Saline von Pedra Lume, einem erloschenen Vulkankrater, in dem bis 1984 Salz gewonnen wurde. Hier konnte man prima ein Solebad nehmen, immer obenauf, denn das Salz macht unsinkbar und beruhigt die Haut. Den Nachmittag verbrachten wir am herrlichen Strand von Santa Maria. Es war allerdings sehr windig und der Sand flog durch die Gegend. Trotzdem ging die Zeit sehr schnell um bis zur Abfahrt zum Flughafen.

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4 Gedanken zu “Kapverdische Inseln, Karge Schönheit im Atlantik

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