Eifel Erlebnisse

„Warum in die Ferne schweifen, wo das Gute liegt so nah“ hat schon Goethe in seinen Gedichten geschrieben und wir dachten uns dieses Mal, – keinen Flugurlaub -.

Das Wetter ist so schön und Deutschland hat landschaftlich so viel zu bieten. Deshalb fuhren wir 1 1/2 Stunden bis nach Monschau in die Eifel. Kurzfristig hatten wir eine Unterkunft gebucht, das Hotel Lindenhof in Monschau. Gleich am Mittag gingen wir schon los. Direkt gegenüber war die Historische Senfmühle. Eine der letzten im Lande handwerklich betriebenen Senfmühlen. Wir hatten Glück, um 14 Uhr war eine Vorführung an der wir teilnehmen konnten. Das alte Familienunternehmen stellt 21 verschiedene Senfsorten her. Für die Vorführung wurde die über 100 Jahre alte Senfmühle in Betrieb gesetzt und recht unterhaltsam die Senfherstellung erklärt. Natürlich konnten wir auch die unterschiedlichsten Senfsorten probieren und anschließend im Verkaufsshop einkaufen.

Alles erdenkliche, an Delikatessen einschließlich Hochprozentiges, Pralinen und andere Leckereien konnten hier käuflich erworben werden. Beim Eintreffen der Reisebusse wurde der Shop dann gestürmt und die Angebote an den Mann oder besser noch an die Frau gebracht. Mein Favorit ist der Feigensenf, aber den wollten wir später noch kaufen.

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Fachwerkhäuser in Monschau

Nun schlenderten wir erst einmal durch die noch gut erhaltenen historischen Altstadt und bewunderten die hübschen Fachwerkhäuser. Nach einer Kaffeepause reizte uns dann einer der Höhenwege, mit Blick auf die Dächer von Monschau. Leider hatte ich nicht das richtige Schuhwerk an und wir wollten auch nur ein kleines Stückchen hoch gehen und dann umkehren. Aber wie das immer so ist wird das kleine Stück immer größer. Das Runtersteigen war dann etwas schwierig mit meinen Riemchen Sandalen. Meine Füsse mussten leiden, dafür hatte ich meine Neugierde befriedigt und über die Dächer geschaut.

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Blick auf Monschau

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Rursee

Eingebettet vom satten Grün der Eifeler Wälder lockte uns das unergründliche Blau des Rursees zu einer Wanderung. Wir starteten in Einruhr und gingen 15,8 Kilometer rund um den Obersee. An der Staumauer der Urfttalsperre überquerten wir den See für den Rückweg. Immer wenn wir aus dem Wald kamen hatten wir eine neue Traumaussicht.   Hier trafen wir erstmals auf Radfahrer, vorher sahen wir immer nur die weissen Schiffe der Rurseeflotte, auch Wanderer waren nur wenige unterwegs. An vielen stillen Buchten versprachen Aal, Hecht und Karpfen den Anglern „Petri Heil“. Mittags wurde es dann ziemlich warm und wir waren froh als wir am nachmittag, in einem der vielen Außenrestaurants in Einruhr einkehren konnten. Das Radler und der Kaffee schmeckte nach langer Wanderung köstlich.

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Rursee mit weisser Flotte

Am nächsten Tag sah unsere Planung eine Wanderpause vor, aber wir gingen trotzdem auf eine kleine Tour. Das Wetter war nicht mehr ganz so sommerlich aber zum Laufen ideal. Wir fuhren mit dem Auto einige Kilometer bis ins „Hohe Venn“, einen zu Belgien gehörenden Nationalpark. Die Wanderung war nicht sehr lang, da wir am Nachmittag noch auf die Burg in Monschau laufen wollten. Der belgische Teil der Eifel hatte spürbar weniger Autoverkehr, die Strassen waren richtig einsam. Dennoch wunderten wir uns, dass wir kaum einen Parkplatz fanden. Aber auf den Wanderwegen liefen wir fast alleine. Unsere kleine Tour ging zum „Bayehon-Wasserfall“, einer der schönsten in der naturbelassenen Landschaft am Fusse des „Hohen Venns.“ Hinauf stiegen wir durch beeindruckende Farn-Wacholder und Blaubeergebiete. Ein Teil der Beeren waren schon reif und schmeckten schon gut. Aber dann erwartete uns eine Enttäuschung, der Wasserfall sah aus wie ein ausgetrocknetes Rinnsal. Auch das ganze Moorgebiet war bis auf wenige Wasserlöcher trocken. Bei Feuchtigkeit wären die Wege sicher sehr glitschig gewesen und nur über die Holzstege zu begehen. Bergauf ging es weiter über einen steinigen und mit Baumwurzeln übersäten , schmalen Pfad. Auch hier konnten wir problemlos laufen, da alles trocken war. Die gesamte Wanderung war dennoch sehr schön, der Rückweg ging entlang am Bayehon Bach, zu der gleichnamigen Mühle. Dort gab es Kaffee, aber draussen sitzen war ziemlich kühl und schattig. Die ganze Wanderung war ca. 9 Kilometer lang, genau richtig für heute.

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das rote Haus in Monschau

Es blieb noch genug Zeit um uns die Burg in Monschau an zusehen. Davor besuchten wir noch das rote Haus, der ehemaligen Tuchmacherfamilie Scheibler, mit der sehenswerten,  im Barockstil geschnitzten Wendeltreppe. Mit einem leckeren Abendessen beendeten wir dann den Wander- und Besichtigungstag.

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Blick von der Burg in Monschau

Stadt-und Dombesichtigung Aachen

Den neuen Tag verbrachten wir in Aachen, da sich dieser Stadtbesuch gut von der Eifel aus machen ließ. Tagsüber schauten wir uns die Stadt und den Dom an und am Abend trafen wir uns mit dem Sohn zur Besichtigung seiner neuen Wohnung und zum Abendessen. Das Wetter hatte sich stark abgekühlt. Es blies ein unangenehmer kalter Wind durch die Häuserschluchten. Schnell versuchten wir ein Café  zu finden um uns aufzuwärmen. Diese Idee hatten auch etliche andere Leute es war entsprechend voll überall. Keiner war mit warmer Kleidung vorbereitet. Später entdeckten wir auch die megagroße Mayerische Buchhandlung, die grösser war als in Köln und Düsseldorf. Hier konnten wir uns gut aufwärmen.

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Strassenansicht in Aachen

Für 13,00 Uhr war eine Domführung gebucht, dass ist so zusagen Pflichtprogramm bei einem Stadtbesuch. Die Domführung war hochinteressant und besser als selber anlesen allemal. Es prägt sich besser ein und die Domführerinnen haben auch meistens noch ein paar Anekdoten zu erzählen. Als wir aus dem Dom kamen, wurde das Wetter um einiges besser und wir konnten unseren Rundgang ohne „Zähne klappern“ fortsetzen.

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vor der Mayerschen Buchhandlung in Aachen

Am nächsten Tag stand wieder eine Wanderung auf unserem Programm. Ausgangspunkt war das Höhendorf Höfen, mit seinen noch 20 Reetgedeckten Häusern und vielen schönen meterhohen Buchenhecken. Den Sinn der hohen Hecken konnten wir gleich erfahren. Ein eiskalter Wind blies uns entgegen, so dass ich mir meine Kapuze bis über beide Ohren ziehen musste.

 

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Windschutzhecken in Höfen

Wir folgten den sogenannten „Heckenweg“ und bewunderten die schmucken Fachwerkhäuser, die sich hinter den Windschutz Hecken duckten. Auf dem Pfad waren wir alleine unterwegs. Nach der halben Strecke kamen wir durch einen Wald an eine versteckte Lourdes Grotte mit Springbrunnen vorbei. Erst auf dem Rückweg begegneten uns die ersten Wanderer, am Aussichtspunkt „Eifelblick“. Die gesamte Wanderung war ca. 13 Km lang, sehr abwechslungsreich durch die vielen kleinen Auf- und Abstiege, aber einsam.

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Wie im Flug war die Zeit vergangen, und der kurze Eifeltrip zu Ende. Eine allerletzte kleine Wanderung hatten wir uns für diesen Tag noch vorgenommen. Es war wieder strahlender Sonnenschein nichts vom kalten Wind mehr zu spüren. Der kleine Ort Schmidt liegt auf einer Hochebene und dort starteten wir vom Kirchplatz aus. Hier oben waren die Wiesen und Felder besonders trocken, in den tiefer gelegenen Orten wie Monschau, bekamen die Böden durch das Hohe Venn noch etwas mehr Feuchtigkeit. Schon beim Loslaufen schien uns die Sonne erbarmungslos aufs Haupt. Aber dafür sind ja Kappen und Hüte.

 

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Der Weg führte uns ständig bergab und an superschöne Aussichten vorbei, bis wir in einem Wald kamen und der Schatten uns schützte. Die gesamte Strecke sollte gut 7 km betragen. Auf dem Rückweg ging es dann am Rursee und am Strandbad von Eschauel entlang. Danach stiegen wir dann wieder auf unsere Hochebene, das heißt einen langgezogenen Berg rauf zurück, bis wir nach Schmidt zum Parkplatz kamen. Da die Strecke nicht zu lang war, hatten wir eine kleine, feine Wanderung bis zum Mittag abgelaufen.

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Für den Nachmittag standen noch ein paar Dinge auf dem Programm, die wir uns anschauen wollten. Wir fuhren 15 Minuten mit dem Auto nach Heimbach, dem Ort an der Staumauer im Rurtal. Als Krone des Städtchens, thronte die Burg Hengebach obenauf. Hier wollten wir Kaffeetrinken, weil sich meistens im Burghof ein Restaurant befindet. Nach Aufstieg der Treppen sahen wir schon von weitem, dass das Restaurant seit längerem geschlossen war. So blieb uns nichts weiter übrig als die Burg von außen zu besichtigen und den Ausblick auf Heimbach zu genießen. Danach gingen wir wieder zurück in eins der geöffneten Cafés im Ort. Es schien so als wenn innerhalb der Woche nicht viel Betrieb ist und die Gäste und Besucher überwiegend am Wochenende kommen. Nach gutem Kuchen und leckeren Kaffee fuhren wir ganz in die Nähe von Heimbach, zum Trappistenkloster „Mariawald“. Schon am spärlich belegten Parkplatz konnten wir sehen, das kaum Besucher dort waren. Das Kloster wurde im September 2018 aufgelöst wegen Nachwuchsmangel. Die Mönche konnten aus Altersgründen das Kloster nicht mehr betreiben. Besichtigungen der Gebäude und der Klosterkirche sind nur am Wochenende möglich. Geöffnet waren lediglich der Klosterladen und die Klostergaststätte, gerühmt für ihre Erbsensuppe.

So fuhren wir weiter zur Ordensburg Vogelsang, oberhalb der Urfttalsperre. Dieser gigantische Gebäudekomplex wurde zwischen 1934 und 1937 errichtet, als Schulungsstätte für den Nachwuchs des NSDAP Führungskaders. Der unter Denkmalschutz stehende Teil der Bauwerke umfasst eine Gesamtfläche von mehr als 50.000 Quadratmetern und gilt als die größte bauliche Hinterlassenschaft des Nationalsozialismus in Deutschland (nur die Parteibauten in Nürnberg sind noch grösser). Nach dem 2. Weltkrieg wurde der Komplex von britischen Streitkräften übernommen und auf den umliegenden Gelände ein Truppenübungsplatz errichtet. Von 1950 bis Ende 2005 wurde die Infrastruktur von belgischen Militärkräften übernommen, die unter dem Namen „Camp Vogelsang“ eine Kaserne einrichteten. Heute lautet der Name „Vogelsang IP“ (Internationaler Platz im Nationalpark Eifel). Er versteht sich als ein Erinnerungsort. Wir waren nicht in Stimmung uns die Ausstellung anzuschauen. Es war schon später Nachmittag, dafür erschien uns auch der Eintrittspreis zu hoch. Ich empfand die Atmosphäre sehr bedrückend. Wir sind noch etwas draussen an den Gebäuden rumgelaufen, dann haben wir unseren Ausflugstag beendet.

 

 

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Fazit: Die Eifel ist ein schönes Fleckchen um einige Tage Urlaub zu verbringen und wir haben nur einen Teil der Eifel besucht und bewandert, es gibt noch viel mehr.

 

 

 

 

 

 

8 Gedanken zu “Eifel Erlebnisse

  1. Ein sehr schöner Bericht, der auch viele Erinnerungen geweckt hat. Zum Einen stammt mein Mann aus der Aachener Ecke und zum Anderen haben wir Eure Reiseziele auch schon besucht. Es ist sehr schön darüber zu lesen und dann seinen Erinnerungen nachzuhängen.
    Schade für Euch, dass die Gastronomie auf der Burg in Heimbach geschlossen hat, denn wir haben dort sehr lecker gegessen.
    Liebe Grüße
    Balle

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  2. Ich lebe jetzt seit 15 Jahren in der Vulkaneifel. Noch nie zuvor habe ich mich in einem Gebiet so gut zurecht gefunden wie hier. Woran liegt das? An der Überschaubarkeit wahrscheinlich 🙂 Die Eifel ist überschaubar und das ist herrlich. Von fast überall hat man Blick, weiten, freien Blick über die hügelige Landschaft wo es einst brodelte und heiße Lava und Asche den Himmel verdunkelte. Was übrig geblieben ist, kann man sich jetzt wunderbar erwandern. Ich kann nur dazu einladen etwas tiefer in die Eifel einzutauchen, es lohnt sich.
    Liebe Grüße und eine wanderhafte Zeit wünschen
    Susi und Bettina

    Gefällt 1 Person

    1. Danke, für Deinen netten Kommentar. Es ist schön, dass Du dich in der Eifel so wohl fühlst. Es ist einfach ein nettes Stückchen Deutschland. Ich war schon oft in der Eifel und finde immer wieder Ecken die anders, aber auch schön sind in ihrer Art. Herzliche Grüsse, Petra

      Gefällt 1 Person

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