Als die Milch noch beim Milchbauer mit der Kanne geholt wurde

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Mehrmals die Woche war ich mit der Aluminium Kanne unterwegs zum Milchladen. Dort standen bereits einige Leute an und warteten bis ihre Kanne gefüllt wurde. Der Verkäufer pumpte mit der Hand die Milch in die Kanne. Unter der Theke stand eine große Milchkanne mit Schlauchverbindung. Täglich wurden die grossen Kannen direkt von der Molkerei geliefert. Im Milchladen traf ich auf weitere Kinder aus der Nachbarschaft, denn zum Milch holen wurden häufig die Kinder geschickt. Fröhlich hüpfend traten wir mit unseren gefüllten Kannen den Heimweg an. Erst wurden die Kannen nur so etwas Hin- und Her geschaukelt. Schließlich wurden wir immer mutiger und schleuderten die Kannen spielerisch mit kreisenden Arm herum. Man musste schnell genug den Arm drehen, sonst fielen die Deckel ab. Im  Nachhinein war das immer herrlich spannend. Auf jeden Fall eine schöne Kindheitserinnerung.

 

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Alte Kokerei in neuem Glanz

 

In den 50er Jahren bekam ich zu meinem 4. Geburtstag einen Tretroller mit Ballonreifen. Mit diesem Gefährt fuhren meine Mutter und ich des Öfteren nach Duisburg-Alt Hamborn auf den Wochenmarkt, einer der grössten Märkte in der Gegend. Von Meiderich ging es los, vorbei am Schlackenberg, am Schacht 4/8 und der Kokerei entlang. Hier lag die schwarze Flugasche Zentimeter hoch auf dem Bürgersteig. Auf dem Hinweg hatten wir immer ordentlich Fahrt drauf. Meine Mutter, eine kleine schlanke Person, trat kräftig den Roller an, dass machte viel Spass wenn wir in rasanter Fahrt an der Kokerei vorbei fuhren. Wir ließen die Flugasche in hohem Bogen auffliegen. Der Rückweg stellte dann ein kleines logistisches Problem dar. Die Tüte Kartoffeln musste hinten auf das Roller Trittbrett, ganz vorne, hinter dem Lenker stand ich und links und rechts am Lenker hang jeweils ein Netz mit Obst und Gemüse. Mutters Standfuss passte nur noch schräg aufs Trittbrett, dadurch konnten wir, voll beladen, nicht mehr so flott fahren. Aber wir kamen immer wieder gut zu Hause an und hatten Spass mit dem kleinen Alltagserlebnis.

Die neuen Elektroroller erinnern mich stark an meinen 1. Kinderroller.

 

In den 70er Jahren als meine Tochter noch klein war, gab es die Kokerei mit der Asche auf dem Bürgersteig immer noch. Wenn wir meine Mutter besuchten und dort vorbeikamen, setzte sie sich auf den Boden und warf sich die Flugasche über den Kopf. Als sie von Passanten angesprochen wurde: „Schimpft deine Mutti denn nicht, wenn das schöne Kleidchen schmutzig wird?“ Daraufhin antwortete das Kind:“ Meine Mama hat eine Waschmaschine.“ Etwas entfremdet und pikiert schaute die ältere Dame drein und ging weiter. Leider wollte das Kind es nicht begreifen, dass dieser schwarze Staub kein Sandkasten war und wir schlugen zukünftig einen anderen Weg ein. Die Kleine besuchte zur Zeit einen antiautoritären Kindergarten, der war in den 70er Jahren unheimlich angesagt.

 

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7 Gedanken zu “Als die Milch noch beim Milchbauer mit der Kanne geholt wurde

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