Vier Mädels im Schnee

Hoch und Tief und Stockeinsatz, Drehen auf dem Buckel – so hörte ich die Stimme meines ehemaligen Skilehrers im Hinterkopf, als ich mich abmühte die steile lange Buckelpiste der Valluga Abfahrt zu bewältigen.

Solange ich mich daran erinnerte und nicht zu schnell wurde klappte das auch ganz gut. Nach dem vierten Buckel musste ich dann abrupt auf die Kanten und bremsen, oder die Textilbremse einsetzen, dann wusste man nie so genau wie das ausging. Meine Oberschenkel brannten wie Feuer vor Anstrengung. Ich weiß auch nicht wie wir vier Mädels uns darauf einlassen konnten mit auf die tolle Buckelpiste zu fahren. Wir waren gestern Abend erst angekommen, heute war unser erster Skitag. Am Vormittag hatten wir eine Gruppe getroffen, die uns unbedingt das Skigebiet zeigen wollten und viel Spaß versprachen. Den hatten zuerst die anderen, als sie uns da rum hüpfen sahen. Eine Weile hatte es uns auch Spass gemacht, aber dann wollten wir doch erst einmal die normalen Pisten fahren. Den Vortag hatten wir einen ganzen Tag Autofahrt um aus dem Rheinland bis nach St.Anton zu kommen. Da ist es schon etwas anderes ob man hier in der Nähe wohnt und mal zwischendurch ein Wochenende Skilaufen kann. Die Zimmersuche war dann auch etwas schwierig, es war alles besetzt. Etwas außerhalb vom Ort haben wir dann noch etwas gefunden, zwar mit allen Vieren in einem Zimmer. Mein Bett bestand aus einer etwas besseren Campingliege, mitten im Zimmer platziert , rechts und links von Koffern umstellt. Aber wenn man abends recht schaffend müde ist geht das schon, mit einigen Zauber- und Gesundheitsdrinks noch besser.

Wir Vier kannten uns aus dem gemeinsamen Tennisclub, ebenfalls unsere Männer. Diese  fuhren, mit grosser Selbstherrlichkeit, zur besten Skisaison jährlich zum Skilaufen. Und nun, waren wir mal dran – wir Mädels – . Es gab auch keinen Einspruch.

Annegrets Exfreund stellte uns seinen grossen Mercedes zur Verfügung. Ob er sich erhoffte, dass Annegret nach dem Urlaub zu ihm ins Haus zurückkehrte ? Nein, wahrscheinlich war es bloss aus Freundlichkeit vom ihm gedacht, es war auch ein ganz Netter und wir kannten ihn ja alle.

Diese grosse „Protzkarosse“ haben wir am Nachmittag vom total  vereisten Parkplatz geschoben, besser gesagt versucht zu schieben. Wir hatten uns schon gewundert, dass der Wagen ganz allein auf dem kleinen Parkplatz stand. Aber als wir den ersten Schritt auf den Platz taten, wussten wir was los war. Es war spiegelblank und nass, es muss wohl zwischenzeitlich geregnet haben. Zwei versuchten vorne zu schieben und eine von der Seite zu drücken, während Annegret vorsichtig Gas gab. Mehrere Male endeten die Versuche indem wir auf dem Hintern landeten oder auf die Knie fielen. Unter lautem Gelächter und Gekreische wiederholten wir diesen Vorgang immer wieder. Erst als wir sämtliche Fussmatten und Decken untergelegt hatten, bekamen wir den Dicken dann Zentimeterweise rückwärts aus seine Position und konnten vorsichtig, Schweiß gebadet, vorwärts den Platz verlassen. Es war kein Mensch weit und breit zu sehen, der uns hätte helfen können. Beim Abendessen amüsierten wir uns dann köstlich über unsere vollbrachten Taten.

Der nächste Morgen bescherte uns heftiges Schneetreiben. Im Hotel erzählte man, dass die Seilbahnen und Lifte gesperrt wären. Zu Empfehlen wäre bei diesem Wetter eine Wanderung ins „Verwalltal“. Ulli war schon einmal hier in St.Anton und konnte das bestätigen. Wir gingen dann vom Ort aus zu Fuss los. Es war ein traumhafter, tief verschneiter Waldweg. Wir brauchten ca. 3 Stunden (10 km) bis zur Hütte. Dort machten wir den Einkehrschwung. Es war schon eine prächtige Stimmung in dem vollbesetzten Gastraum. Zu einem reichhaltigem Essen gehörten nun mal die entsprechenden hochprozentigen Getränke. Wir waren dem nicht abgeneigt nach unserer Wanderung und mussten uns aufwärmen. Nach dem Essen wurden dann gegenseitig Runden geschmissen. Die Stimmung und die Lautstärke erreichte so langsam den Höhepunkt, als der Wirt verkündete :“ Herrschaften, jetzt ist Schluss ich muss abrechnen.“Die Antwort der Gäste war ein lautes Gelächter. Er sammelte die Deckel ein und begann mit der Abrechnung. Keiner wusste mehr so richtig welche Runde auf wen ging, auf jeden Fall war am Ende alles bezahlt. Ulli rief dann erschreckt: “ Und jetzt müssen wir den ganzen Weg wieder zurück laufen.“ Da meldete sich einer, : „Ich bin mit dem Auto da und kann euch mitnehmen.“

„Boah, was haben wir für ein Glück.“

Vor der Tür stellten wir fest, dass alle Gäste weg waren. „Wo sind die denn so schnell hin, die müssen doch auch alle gelaufen sein. Soviel ich weiß, war der Weg für Kraftfahrzeuge gesperrt, außer Forstfahrzeuge ?“

Unser Fahrer stellte sich als „Kalle“ vor und hatte einen alten Militär Jeep. Er sagte sofort: „Aber fahren muss eine von euch Hübschen, ich kann nicht mehr fahren,“ und hielt uns den Autoschlüssel hin. Ist ja nur bis zum „Hotel Zur Post“, mitten im Ort. Dann stieg er hinten in den Jeep ein, Ulli und Annegret ebenfalls, die beiden waren nur am lachen und kreischen. Ich versuchte die Kiste zu starten. Beim 3. Versuch setzte ein höllischer Lärm ein und das Ding sprang an. Den Gang musste man rein hauen und dann ging es los. Isabel hatte das Fenster geöffnet und machte mir Ansagen, „Weiter rechts jetzt wieder mehr links usw.“ Der Weg war schmal und zugeschneit, dazu kam die Dunkelheit, kein Licht zu sehen außer die magere Beleuchtung vom Auto. „Bloß nicht vom Weg abkommen, denn dann landen wir im Graben oder bleiben sonst wo stecken.“ Gefühlt dauerte die Fahrt länger als wir gelaufen sind. Kalle war hinten mittlerweile eingeschlafen, trotz dem rütteln und schütteln auf der unebenen Fahrbahn. Das Einzigste was er ab und zu von sich gab war: „Mädels, was seid ihr herrlich locker drauf.“

Endlich sahen wir die ersten Lichter von St.Anton, wir hatten es geschafft. Isabel und ich waren Fix und Fertig von der Anspannung. Zuerst kamen wir am „Hotel Zur Traube“ an, ich hielt an und ließ Annegret und Ulli aussteigen. „Macht nicht solch einen Lärm“ riefen wir den Beiden noch hinterher.

Mit unserem Schlafgast im Fond fuhren wir bis zum Parkplatz des „Hotel Zur Post“. „Endstation, Aussteigen“ brüllte Isabel nach hinten. Schwer angeschlagen schleppte er sich mit unserer Unterstützung zum Hotel Eingang. Den Autoschlüssel steckte ich ihm in die Jackentasche und schob ihn durch den Eingang. Er bedankte sich bei uns und lud uns in sein Hotel auf Sylt ein.🤡🤡🤡

Da hatten wir ja etwas worauf wir uns freuen konnten.

Als wir bei der „Traube“ ankamen, war alles dunkel. Die Tür war ins Schloss gefallen und wir hatten keinen Schlüssel. So ein Sch…., dass jetzt auch noch. Wir wollten auch nicht direkt schellen, weil alles schon dunkel war. Über den Hof konnten wir auch nicht, das Tor war zu. Wir stellten uns unter das Zimmerfenster und riefen nach Uli und Annegret. Aber nichts tat sich.Also doch schellen, wir drückten einmal, zweimal, dreimal auf den Klingelknopf, nichts tat sich. „Die können doch nicht alle schon schlafen“ ? Auf einmal sagte Isabel: “ Sieh doch mal da in den Blumentopf mit der Tanne an der Tür.“ Und dann wühlten wir beide unter dem Schnee im Blumentopf, und tatsächlich wurden wir fündig, da war der Schlüssel, „Das hat Annegret schon einmal gemacht, einen Schlüssel im Blumentopf für mich gelegt.“

„Aber da musst du erst einmal drauf kommen.“

Beide waren wir in der Zwischenzeit wieder nüchtern, wir lagen noch eine Weile wach im Bett bis wir einschlafen konnten.

Der nächste Tag begrüsste uns mit Bilderbuchwetter, Neuschnee und Sonnenschein. Für   drei von uns wurde es ein Super Skitag, wir fuhren die große Runde St.Christoph, Zürs, Lech. Ulli musste leider das Bett hüten, sie hatte Fieber und Husten. Wir hatten ihr Medikamente besorgt und das Frühstück ans Bett gebracht.

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2 Gedanken zu “Vier Mädels im Schnee

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