Von Radium Hot Springs über Nelson, Osoyoos, Hope bis Whistler

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Teil V

Von unserer letzen Übernachtung in Radium Hot Springs bis Nelson fuhren wir ca. 380 Kilometer. Die Strecke verlief ziemlich einsam, Richtung Süden bis kurz vor der Grenze zwischen Kanada und die USA, ab da ging es für uns dann weiter westlich bis Nelson. Eine kleine Stadt mit 10.900 Einwohnern am Westarm des Kooteney Lake, der überspannt wird von der Nelson Bridge. Westlich der Brücke liegt der Lakeside Park mit grossem Strand und Picnic Area. Als wir ankamen gingen wir zuerst die kleine Promenade am Seeufer entlang.

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Eine Zeitlang schauten wir dann einem Paraglider zu, der versuchte aus der Ebene zu starten, was ihm aber nicht gelang.

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Von 1899 bis 1949 waren in Nelson Strassenbahnen in Betrieb. Die alte „Streetcar Nr. 23“ fährt noch von Juni bis Oktober täglich im 30 Minuten Takt zwischen der „Hall Street Station“ und dem „Lakeside Rotary Park“.

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Das Ortsbild unterscheidet sich erfreulich von dem anderer vergleichbar grosser Städte. Zahlreiche Gebäude aus guter alter Zeit (vom Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts, als eine Silberboom Periode für Reichtum sorgte) sind noch im besten Zustand. Bevor wir zum Abendessen einkehrten sind wir durch die Altstadt geschlendert. Es gab noch viele interessante Gebäude zu sehen. Langsam füllten sich die Speiselokale mit Gästen. Bei dem milden Klima konnten wir gut im Freien sitzen. Am nächsten Morgen fuhren wir weiter durch die hügelige Umgebung.

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Unser nächstes Ziel war Osoyoos, das südliche Tor zum Okanagan Valley, nur 2 km trennten die 4.850 Einwohner zählende Ortschaft von der US Grenze. Das Tal zeichnete sich durch sein besonderes Klima mit viel Sonnenschein und ganz wenig Regen aus. Zu seinen natürlichen Schätzen zählen die schönen Badestrände und der als wärmste Badesee Kanadas angepriesene Osoyoos Lake. Die Gegend ist dank der grossen Seen Kanadas Obst- und Weingarten. Durch die fortwährende Bewässerung gedeihen die herrlichsten Trauben, Pfirsiche, Kirschen, Paprika, Gurken und zahlreiche weitere Obst- und Gemüsesorten. Etwa 20 Weingüter längst des Highway 97 laden zu Weinproben und Führungen ein. An Obstständen werden die tagesfrischen Produkte verkauft.

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Unser Ziel war das „Pocket Desert Federal Ecological Reserve“ am kargen Westufer des  Osoyoos Lake. Diese kleine „kanadische Wüstentasche“ wollten wir besichtigten. Aber es erwies sich als schwierig den Weg zum Naturschutzhaus zu finden. Deshalb hatten wir uns die Hilfe des Navi erhofft. “ Fahren Sie bitte links, und nach 100 Metern wieder links, jetzt fahren Sie bitte gerade aus, fahren Sie gerade aus,“

Fassungslos und wie versteinert stand ich mit dem Auto vor einem Hafenbecken. Oder saß ich in einem Schiff, dass zu Wasser gelassen werden sollte ?????

Und wieder kam die Aufforderung – „Fahren Sie gerade aus ????????

„Nein, ich will nicht“ !

Ich kann mir schon denken, was Euch dazu einfällt,“ Oh nein, die Weinproben haben wir nicht mit gemacht.“

Stattdessen fuhren wir zurück zur Hauptstrasse und starteten einen neuen Versuch mit dem Navi. Kurze Zeit später trieb uns das Teil auf einem Privatweg. Der Farmer kam schon mit bösem Blick, samt seines kläffenden Hundes auf uns zu gelaufen und erklärte uns, dass wir uns auf einer privaten Hofeinfahrt befinden und es hier keine Durchfahrt gibt. Das sah ich allerdings auch so. Wir entschuldigten uns für unser bekloptes Navi, und kehrten schnell um.

Jetzt schalteten wir das Ding endgültig aus und fuhren nach Karte weiter. Bald schon erschien dann das erste Hinweisschild und wir kamen an. Auf einem rund eineinhalb Kilometer langem Holzsteeg spazierten wir durch das Gelände und genossen am Fusse sonnendurchglühter Hänge die wohltuenden, herben Aromen des Wüstensalbeis und der Ponderosa-Kiefern. Leider haben wir keine Führung mehr bekommen. So mussten wir uns die Informationen anlesen.

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Bevor wir am nächsten morgen weiter fuhren machten wir noch eine kleine Wanderung in den „Haynes Point Provinziell Park,“ der heute unter den indianischen Namen „Swiws“ geführt wird, auf einer schmalen Landzunge in dem gleichnamigen See. 2014 wurden auf dem Gelände des Parks bedeutende archäologische Funde bezüglich der frühen indianischen Besiedlung der Region gemacht, was zur Folge hatte, das der Park seit März 2015 gemeinsam von der Provinz British Columbia und der Osoyoos Indian Band betrieben wird. Der Campground  (41 Stellplätze) auf der Halbinsel ist außerordentlich begehrt, da fast alle Plätze direkt am Wasser liegen. Dort wird selbst in der Vor- und Nachsaison eine zeitige Reservierung empfohlen. Nach dieser kleinen Wanderung fahren wir weiter über eine kurvige Strecke in Richtung Hope, durch den Manning Park.

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In Princeton gönnten wir uns eine Pause, in einem (ehemaligen Zentrum eines Gold/Kupfer und Kohlereviers). An der Ecke fanden wir ein bezauberndes kleines Café. Dort gab es selbstgemachte Kuchen und köstlichen Cappuccino. Alles wirkte ein wenig verschlafen, denn durch den Niedergang des Bergbaus in den 1950er Jahren, büßte die kleine Stadt auch ihre Funktion als Verkehrsknotenpunkt ein. Der Hauptverkehr von Vancouver ins Okanagan Valley fließt über einen neu erbauten Highway. In der Umgebung  gibt es diverse „Ghost Towns“.

Als wir das hübsche Städtchen Hope erreichten fuhren wir zunächst weiter gen Norden, denn bevor wir unser Hotel aufsuchten gab es noch einiges zu sehen. Nur wenige Kilometer nördlich von Yale machten wir Halt an einer kleinen Picknickanlage, von dort ging es über einen kurzen Wanderweg (ca. 0,5 km einfache Strecke) durch einen Wald zur historischen „Alexandra Bridge“ über den Fraser River. Die alte Brücke kann nur noch zu Fuss überquert werden. Kurz bevor wir die Brücke betraten mussten wir  Bahngleise überqueren.

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Canadian National Railway ©️Helmut Wegmann

Von Weitem hörten wir ihn schon pfeifen und schnaufen, ein riesiges Ungetüm, mit drei Lokomotiven und 200, mit Containern hochbeladenen Anhängern. Das war vielleicht ein mulmiges Gefühl als der Zug direkt an uns, ohne Absperrung, vorbeifuhr mitten im Wald. Der „Canadian National Railway“ von West nach Ost durch Kanada unterwegs. Plötzlich hörte der ohrenbetäubende Lärm auf und  es trat eine wohltuende Stille ein. Mit dem Zählen der Anhänger waren wir eine ganze Weile beschäftigt.

„Noch sah ich sie reiten, die Cowboys neben den Zug, gleich halten sie ihn an und machen sich über den Goldcontainer her.“ Oh, da geht sie durch mit mir, meine Phantasie, das war in einem Film, oder in einem Roman, aber so kann man sich das vorstellen.

Raus aus dem Film und rauf auf die“ Alexandra Bridge“ die,  zum Teil nach unten offen war, wir sahen direkt in die brausenden Fluten des Fraser River. ( Hier könnte man den Film oder Roman weiter spinnen, „Die Cowboys flüchten mit ihrer Beute über die offene Brücke).

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Alexandra Bridge ©️Helmut Wegmann

Zurück zum Auto fuhren wir nur ein kleines Stück weiter, wo uns die nächste Atraktion erwartete. Das „Hells Gate“, hier wo der Fraser River donnernd durch den 36 Meter breiten Canyon, dem Höllentor fließt.

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Hell’s Gate ©️Helmut Wegmann

Mit einer Seilbahn Gondel schwebten wir über das tosende Wasser 256 Meter hinunter zum gegenüberliegenden Ufer. Dort erwartete uns ein Souvenir Laden und mehrere Speiselokale. Mit etwas Glück waren wir hier mit nur wenigen chinesischen Reisenden alleine. Ansonsten herrscht großer Besucher Andrang.

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Anfang des 20. Jahrhundert begann man mit dem Bau der „Canadian National Railway“ durch die Rocky Mountains  und erreichte schließlich den Fraser Canyon. Für diesen Streckenabschnitt waren Sprengungen nötig und dabei kam es 1913 zu einem Erdrutsch, der den Fraser River blockierte – mit fatalen Folgen: den Lachsen wurde der Weg zu den Laichgründen versperrt, was zu einer dramatischen Abnahme des Fischbestandes führte. Die Natur benötigte 30 Jahre um diesen Schaden wieder zu beheben. 1945 konnte man eine Fischleiter an beiden Ufern anlegen. Heute sollen bis zu 350.000 Lachse täglich diese Fischleitern passieren.

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Ganz Mutige können auch eine Wildwasser Fahrt mit dem Schlauchboot durch die Stromschnellen buchen. Aber es gibt auch einen Wanderweg über eine Hängebrücke um das wilde Wasser zu beobachten. Das kostet keinen Eintritt, denn die Fahrten mit der Gondel oder dem Schlauchboot sind richtig teuer und reissen unter Umständen ein ziemliches Loch in die Urlaubskasse. Danach fuhren wir dann in unsere Travel Lodges in Hope und gingen anschließend zum Abendessen. Mittlerweile hatte es angefangen zu regnen. Am Eingang des Familien Restaurants warteten wir 1 Stunde auf einen freien Tisch, zusammen mit unzähligen anderen Gästen. Anscheinend ist es für die Kanadier normal, die sind da ganz locker. Es ergab sich, dass wir uns mit einem kanadisch/ungarischen Ehepaar nett unterhalten konnten und somit die Zeit schnell verging. Das Warten hatte sich gelohnt, denn das Essen war hervorragend gut und wir hatten noch einen netten Abend. Am nächsten Morgen sagten  wir , bye, bye Hope, die Reise ging für uns weiter.

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In Harrison Hot Springs machten wir einen Abstecher zum See, bei herrlichem Sonnenschein. Es schließt sich der Kreis unserer Kanada Rundreise. Bei unserem ersten Besuch, zu Beginn der Reise, war die Luft total mit Smog und der Himmel bewölkt. Für einen Spaziergang am See und ein paar Fotos hatten wir noch Zeit.

Dann fuhren wir durch bis Whistler, ein bekannter Touristen- und Wintersportort. Zwei bis zweieinhalb Fahrstunden von Vancouver entfernt gelegen.Von November bis April mit herrlichem Pulverschnee verwöhnt, manchmal bis in den Sommer hineinreichende Wintersportsaison. Unser Hotel liegt an einem der zwei Hausberge, am Blackcomb Mountain. Ein großes Hotel nach dem anderen, den ganzen Berg rauf. Die Innenstadt ist alpin gestylt und Fußgänger freundlich, ein autoloses Centrum. Wir fuhren mit dem Shuttle Bus vom Hotel aus in die Stadt zum Abendessen. Erst ließen wir uns noch auf einen Bummel durch die City mit ihren Geschäften, Cafés und Restaurants ein. Hier fand die Winterolympiade 2010 statt. Alles ist noch grösser und bombastischer wie in Sun Peaks und Banff, den anderen Skigebieten, wo wir bereits übernachtet hatten. Nach kurzem Suchen haben wir dann ein Restaurant fürs Abendessen gefunden. Anschließend suchten wir für die Rückfahrt die Bushaltestelle, die sollte an andere Stelle sein. Auch nach vielen Fragen konnte uns niemand sagen, wo diese Abfahrtstelle war. Kurz und gut, sind wir dann in ein Taxi gestiegen und zu unserem Hotel hoch gefahren. In der Dunkelheit machte es wenig Sinn den Berg hoch zu laufen, oder weiter nach der Haltestelle zu suchen. Angenehm überrascht waren wir über den niedrigen Fahrpreis. Dafür hätten wir in Deutschland nicht einmal in eine Taxe einsteigen dürfen.  Am nächsten Tag, wir hatten zwei Übernachtungen gebucht, fuhren wir wieder mutig mit dem Shuttle Bus vom Hotel aus los.

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Dieses Mal stiegen wir etwas vor der Innenstadt aus, denn wir wollten eine Wanderung um den „Lost Lake“ machen. Überall standen Wegweiser und wiesen auf die verschiedenen Wanderungen hin. Nachdem, laut Fahrplan, der Bus auch wieder am nachmittag hier halten sollte, gingen wir los und machten die Rundwanderung um den See. Es war noch früh und wenige Leute unterwegs, sehr ruhig und erholsam. Als wir zurück kamen waren die PKW vom Parkplatz alle fort. Wir stellten uns an die Bushaltestelle und warteten zwei planmäßige Busse ab. Keiner kam, wir gingen zu Fuß über einen schönen Waldweg in die Stadt. Somit hatte der Bus seine letzte Chance verpasst, und unsere Wanderung wurde verlängert. Am Ortseingang waren riesige Parkplätze, da kann man sich vorstellen, was im Winter hier los ist.

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Mountain Bike Circus in Whistler ©️Helmut Wegmann

Mitten im Ort endete die Skipiste, die jetzt einem abgewetztem Acker ähnelte, da die Radfahrer im Sommer mit ihren Rädern dort runter bretterten und anschließend wurden Räder und Personen, mit dem Lift wieder hoch bugsiert. Dazu wurde der ganze Ort mit Musik beschallt, was für eine Gaudi, aber jeder will ja seinen Spass haben.

Nachdem wir im Ort gegessen hatten, setzten wir unsere Wanderung erneut fort. Diesmal Berg auf, zurück ins Hotel. Das Thema Shuttle Bus hatte sich erledigt. Am nächsten Morgen reisten wir ab, weiter ging unsere Route Richtung Powell River.

Es folgt:  Teil VI,  letzter Teil West Kanada

-Einige Foto´s sind mir freundlicherweise für diesen Blog von Helmut zur Verfügung gestellt worden-

http://wandern-reisen-und-mehr.de

 

3 Gedanken zu “Von Radium Hot Springs über Nelson, Osoyoos, Hope bis Whistler

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