Nach Calgary, durch die Prärien bis Radium Hot Springs

Teil IV

Erst gegen Mittag sind wir von Banff weitergefahren, weil bis Calgary nur ca. 140 km Fahrweg waren.

Calgary, die Millionenstadt am Südufer des Bow River, breitet sich in dem welligen Prärieland östlich der Rocky Mountains aus. Die Öl und Gasmetropole Albertas ist gleichzeitig touristische Hauptstadt der Provinz. Knapp über eine Million Einwohner leben in der Stadt, rund 1,2 Millionen im Einzugsgebiet. Unser Hotel „Best Western“ liegt noch etwas außerhalb der Stadt, in Nähe des Flughafens. Ein lohnendes Ausflugsziel ist auf unserem Weg das Freilichtmuseum „Heritage Park“. Für das im Stil des 19. Jahrhunderts errichteten Museumsdorf sind Gebäude aus ganz Kanada Stück für Stück demontiert und dort wieder aufgebaut worden. Mittelpunkt bilden über 150 restaurierte Gebäude aus der Pionierzeit. Auch die Transportmittel sind der damaligen Zeit angepasst. Historische Dampfloks aus den 1940er Jahren drehen ihre 1,5 km Runden im Gelände. Postkutschen Fahrten ergänzen das Programm.

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Das Personal sorgt in zeitgenössischen Kostümen für eine authentische Atmosphäre. In dem kleinen „Amüsement Park“ haben wir uns von dem Riesenrad durch die Luft drehen lassen und bei der Fahrt mit der „Raupe“ köstlich amüsiert, vor allem weil wir beide alleine fuhren und die Karussell Fahrt kein Ende fand.

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Die Sonne schien den ganzen Tag und es war eine Freude sich draussen aufzuhalten, nachdem wir aus den nebeligen und kalten „Rocky Mountains“ kamen. Obwohl Calgary 1.084 Meter hoch gelegen ist, hatten wir sommerliche Temperaturen. Wir bedauerten, dass es schon 17 Uhr war und der Park seine Tore schloss.

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Am nächsten Morgen fuhren wir vom Hotel aus mit dem Auto in die Innenstadt. Dabei machten wir einen ersten Stop bei einem äusserst interessanten Shop der sich „Edelweiss Village“ nennt. Hier bekommt man Deutsche und Schweizer Produkte, sowohl Lebensmittel wie auch Haushalts- und Küchenutensilien. Alles was Deutsche und Europäische Einwanderer mitgebracht haben. Von der Schwarzwälder Kirschtorte bis zum Original Schweizer Käse. Man wusste nicht wo man überall hinschauen sollte. Der Laden war voller Raritäten. Angeboten wurden viele Gegenstände und Waren aus den 50er Jahren, die bei uns nicht mehr vertrieben werden. Es gab eine hervorragende Delikatessen Abteilung mit Käse und Wurst, ebenso eine Bäckerei mit sehr gutem Brot. Alles konnte man hier direkt probieren und verzehren. Auch kleine warme Gerichte wurden serviert. Allein die Kuckucksuhren Abteilung war sehenswert. Wir deckten uns mit Brot, Wurst und Käse ein für die nächsten Tage. Der Preis war natürlich dem Angebot entsprechend ziemlich hoch. Aber es war auch kein Laden in dem man alle Tage einkaufen ging. Mehr für die Touristen und als Souvenirs gedacht. Auf jeden Fall ein Erlebnisladen, den Calgary Besucher nicht verpassen sollten.

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Anschließend brachte uns unser „Navi“ schnell in die Innenstadt, wo wir auch mit Glück gleich ein Parkhaus fanden. Etwas Probleme hatten wir mit dem Parkautomaten, der sofort Geld haben wollte und dann auch noch passend. Diese Aktion hat etwas länger gedauert, dafür waren wir von der Lage her direkt am Anfang der Fußgängerzone. Calgarys  Innenstadt erfreut sich einer Mischung  aus historischer Strassenzüge und moderner Geschäftsstrassen, die sich gut zu Fuss erkunden lassen. Zwischen den Strassen und den angrenzenden Hochhäusern breiten sich hübsche, kleine Parks mit Bänken, Kunstwerken und Springbrunnen aus.

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Ein Grossteil der City Buildings sind durch sogenannte „Elevated Walkways“ (Fußgängerwege in 15 Feet Höhe, 4,57 Meter über den Strassen) miteinander verbunden. Sie führen mitten durch viele Gebäude und über verglaste und offene Strassenbrücken (18 km Fusswege). Zum Bummel durch die Fussgängerzone gehörte für uns auch der Besuch der „Devonian Gardens“ im 4. Stock eines Einkaufs- und Bürokomplexes.

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Dieser Indoor Park geht über drei Stockwerke und man fühlt sich weit entfernt vom Getriebe der Strassen. Dichte Vegetation aus kanadischen und tropischen Pflanzen mit Blumenbeeten und Wasserbasins, in denen sich die umliegenden Hochhäuser spiegeln, geben hübsche Fotomotive und lassen Besucher zur Ruhe kommen. Kanadier aus den umliegenden Büros machen hier ihre Mittagspause in entspannter Atmosphäre. Überall stehen Bänke und kleine Tischchen zum Verweilen. Etwa 1,5 Kilometer Spaziergänge führen durch den Park, der passend zu den Jahreszeiten bepflanzt ist. Skulpturen und kleine Teiche mit Koi-Karpfen, Springbrunnen und Wasserfälle lockern die Gartenlandschaften auf, auch die Kleinen können sich auf einen netten Spielplatz austoben.

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Trotzdem zog es uns wieder raus, denn draussen war herrliches Wetter und wir wollten von Calgary noch mehr sehen. Von der Innenstadt war es nur ein kurzer Weg über die Fussgängerbrücke des Bow River um auf die Insel des „Prince Island Park“ zu gelangen. Die grüne Insel der Stadt ist der 20 Hektar grosse Park, der nördlich von Downtown im Fluss liegt. Gerne werden die Wege des Parks von den Einheimischen in den Pausen für die Fitness an der frischen Luft genutzt. Doch es bleibt noch genügend Platz, um ein paar ruhige Minuten abseits der Hektik der Großstadt einzulegen. Auf dieser Insel befindet sich auch eines der besten Restaurants der Stadt. Hier werden saisonale, kanadische Speisen angeboten.

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Die Zutaten stammen von einheimischen Farmern aus biologischem Anbau. Aber, da wir immer erst abends speisen, kommt das für uns  nicht in Frage. Wir wandern noch etwas über die Insel, gehen auf dem Rückweg noch an Chinatown vorbei, das zu den grössten Chinesenvierteln Kanadas zählt. So langsam spüren wir unsere Beine, denn es waren einige Kilometer, die wir ab gelaufen sind. Zurück kamen wir wieder an unseren Ausgangspunkt, dem Olympic Plaza und der City Hall. Dort wartete unser Auto in der Tiefgarage. Leider haben wir uns die Park Ebene nicht gemerkt und mussten suchen. Pech gehabt, war nicht das erste Mal. Einen Tag für solch eine interessante Stadt ist einfach zu wenig, aber was soll man machen – ganz Kanada ist sehenswert.

So packten wir am Abend nach zwei Übernachtungen wieder unsere Koffer. Es ging weiter nach „Radium Hot Springs“, hier werden wir endlich das Bad in den heißen Quellen nehmen. Einen Teil der Strecke fuhren wir zurück Richtung Banff Nationalpark, bevor wir abzweigten und durch den Kootenay Park weiter fuhren.

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Unterwegs hielten wir noch einmal an und machten am idyllisch liegenden „Johnson Lake“eine 1-stündige Wanderung um den See. 

Der waldreiche Kooteney Nationalpark liegt etwas abseits der Touristen Route. Der Highway 93 ist die einzige Strecke durch den Park. Außer abgelegenen Camp  Grounds gibt es keine Ortschaften, dafür sind längst der Route herrliche Ausblicke zu genießen. Über zwei Pässe schlängelte sich die Strasse. Kurz vor dem Ort kamen wir an dem Thermalbad vorbei, danach zwängte sich der Highway durch einen engen Felsspalt und wir waren in Radium Hot Springs.

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Auffällig waren einige Hotels mit „alpinen Charme“ auch die Namen der Unterkünfte ließen „alpenländische “ Gefühle aufkommen. Mit seinen knapp 800 Einwohnern war der Ort sehr übersichtlich. Die Bevölkerung lebt von der Holzwirtschaft und  dem Tourismus durch die nahegelegenen „Hot Springs“  und die schneesicheren Winter. Unser Übernachtungshotel, für die zwei Nächte, liegt direkt am Ortseingang. Bei einem ersten kurzen Rundgang begegneten uns einige Dickhorn Schafe, die aus den Nationalpark kamen und sich hier zu Hause fühlten.

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Am nächsten Morgen gingen wir Fuß zu den heißen Quellen. So konnten wir das Baden mit einer kleinen Wanderung verbinden und brauchten  nicht mit dem Auto zu fahren, zumal dort oben der Parkplatz gestern schon voll war. Das Bad hatte zwei Pools. Die Wassertemperatur lag zwischen 37° C und 40° C. Zur Abkühlung zum Schwimmen gab es ein angenehm temperiertes Kaltwasserbecken mit 27° C, dass allerdings nicht immer zu gängig  war. Im Moment wurden auch einige Bereiche des Bades renoviert, auch das kleine Café hatte geschlossen, aber der Badebetrieb war geöffnet. Bis ich dann soweit war um in den heissen Topf zu steigen, war Helmut schon fast gar. Ich verbrachte vorher noch einige Zeit in den Umkleideräumen, weil mein Kleiderspind defekt war und sich nicht mehr öffnen ließ, als ich mein Handtuch rausnehmen wollte. Bis ich dann eine Servicekraft gefunden hatte, die mir den Spind mit einem Generalschlüssel öffnete, verging schon  eine Weile. Helmut wollte mich zwischenzeitlich schon ausrufen lassen, weil er nicht wußte wo ich abgeblieben war. Aber dann wurde alles gut und ich konnte noch lang genug in dem Topf kochen. Man stand oder saß am Rand des Beckens und wartete auf die heilsame Wirkung des Wassers, denn zum Schwimmen und Bewegen  war es viel zu warm und anstrengend. Nach einer knappen Stunde  beendeten wir dann das Bad. Ziemlich ermattet machten wir uns auf den Rückweg. Zum Glück ging es jetzt bergab und wir waren nach einer Dreiviertel Stunde wieder im Hotel. Den Rest des Tages verbrachten wir noch einmal mit einem Rundgang durch den  Ort, vielleicht hatten wir ja noch nicht alles  gesehen ?  

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Auf einmal überholte uns der „Chef der Dickhorn Schafe“ mit zielstrebigem Schritt. Auf der anderen Platzseite war eine Familie bei der Apfelernte. Der grosse Bock stellte sich etwas abseits des Geschehens und beobachtete die Leute. Nach einer Weile gingen die Leute ins Haus. Der Schafbock machte sich über das restliche Fallobst her und ging an die gefüllten Kisten. Unsere Anwesenheit störte ihn überhaupt nicht. Anscheinend kannte er sich im Ort sehr gut aus und fühlte sich sicher.

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2 Gedanken zu “Nach Calgary, durch die Prärien bis Radium Hot Springs

  1. Hallo Petra,
    danke. Von einer Millionenstadt in ein 800 Männeken Dorf mit Bock. Eine tolle Reise plus Kulturschock 🙂 . Tolle Tour. Schöner Bericht und obendrein herrlich bebildert
    Liebe Grüße, Peter

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