Kanada, der Westen

Einstimmung auf Kanada

K  arierte Hemden

A  hornblatt

N   atur

A   benteuer

D   ollar

A   ngler

Männern in karierten Hemden möchte ich mit Kettensägen sehen. Überall soll mir das Ahornblatt in der Flagge entgegen wehen. Die reiche Natur werde ich ausgiebig besuchen. Kleine Abenteuer möchte ich erleben. Meine Tasche soll allzeit gefüllt mit Dollars sein und Anglern, die Lachse angeln will ich beobachten.

Teil I,  Zweieinhalb Tage  Vancouver

Als der Flieger in Vancouver landete hatte er einiges an Zeit wieder aufgeholt, obwohl wir in Frankfurt verspätet wegkamen. Die Zeitverschiebung beträgt minus 9 Std. gegenüber Deutschland. Da ich die Nacht nicht geschlafen hatte war ich etwas wackelig auf den Beinen. Die Einreisekontrolle verlief problemlos, die Befragung war kurz. Abgeholt wurden wir dieses Mal nicht, wir hatten die Reise selber organisiert und mussten uns allein um alles kümmern. Am Geldautomaten bildete sich bereits eine Schlange, denn alle tauschten hier Kanadische Dollar. Beim Warten merkte ich wie mir schwindelig wurde und ich musste mir schnell einen Sitzplatz suchen um nicht umzukippen. Da meldete sich die Müdigkeit, der Hunger und der Kreislauf. Ein Brötchen und ein Wasser verschaffte fürs Erste Abhilfe. Das Besorgen und das Aufspielen einer kanadischen SIM Carte fürs Handy, dauerte auch etwas länger. Nun noch das Lösen von Fahrkarten für den SkyTrain zum Hotel und dann konnte es losgehen. Jetzt muss man sich daran gewöhnen, dass diese Dinge einfach mehr Zeit in Anspruch nehmen, einmal wegen der fremden Automaten und dann die Beschreibungen in Englisch, auch nicht immer ganz einfach, ach ja und fehlendem Kleingeld. Nachdem diese Hindernisse genommen waren, konnten wir dann zur Haltestelle, die direkt vom Flughafen aus leicht zu erreichen war. Ohne lange Wartezeit kam die Bahn. Beim Blick aus dem Fenster sah ich gleich : „hier bin ich in Kanada“. Der ganze Hafen voller Holzstämme, soviel Holz auf einmal habe ich in Deutschland noch nicht gesehen. Nach 6 Stationen stiegen wir aus und waren direkt an unserem Hotel. Die Haltestelle war auf der anderen Strassenseite vom OPUS Hotel. So brauchten wir nicht lange suchen, wie günstig. Drei Übernachtungen hatten wir für Vancouver vorgesehen. Danach holen wir den Mietwagen ab und die Rundreise kann beginnen. Nach kurzer Erholungspause in dem schönen Hotel machen wir den ersten Rundgang.

Ausicht vom Lookout
Ausicht vom Lookout

Vancouver macht schon einen imposanten Eindruck mit seinen vielen Hochhäusern, es hat eine eigenartige Atmosphäre. Zwischen den Häusern fühlt man sich erst einmal sehr verloren, vielleicht ist es eine Sache der Gewohnheit. Wir durchstreifen das Viertel am False Creek und kehren in einer Pizzeria ein. Es gibt so viele Möglichkeiten, es ist schwer sich zu entscheiden. Erstaunlich, überall sind fast alle Plätze besetzt. Es scheint so als wenn hier früher zu Abend gegessen wird. Wir dürfen nicht zu früh schlafen gehen und müssen uns wachhalten, damit wir wieder in einen richtigen Schlaf – Wach Rhythmus kommen. Unser Essen war etwas wenig und nicht berauschend für den Preis, ach ja wir sind in einer Großstadt. Das beste war das selbstgemachte Eis das wir zum Nachtisch probieren konnten. Sehr lange hielten wir es nicht aus an diesem Abend. Die Müdigkeit war einfach zu groß und es wurde bereits schon früh äußerst kühl hier am Hafen. Deshalb schleppten wir uns ins Hotel, um eine Mütze Schlaf zu bekommen.

Wasserspiele im Park
Wasserspiele im Park

Der Morgen beginnt mit Frühstück, für uns beide sehr wichtig. Dazu gehen wir ins benachbarte Restaurant, weil in unserem Hotel kein Frühstück angeboten wird. Für mich ist die Auswahl von Speisen etwas schwieriger geworden, da ich vor einigen Wochen meine Ernährung umgestellt habe. Nicht gerade geschickt so kurz vor dem Urlaub, aber es wurde aus gesundheitlichen Gründen notwendig. Die Speisekarte für das Frühstück bestand in der Hauptsache aus dem „englischen breakfast“, gebackene Bohnen, Schinken, Eier, und Würstchen. Für mich gab es dann „granola (eine Art Müsli mit Zuckerkrusten), fruit und joghurt“. Mal sehen ob ich bis Mittag durchhalte ? Schließlich gingen wir noch in den tollen Laden (nur gesundes Essen, zum entsprechenden Preis) und besorgten uns Wasser, Obst und Salat für über Mittag. Das Geschäft hatten wir gestern Abend entdeckt, ganz in der Nähe des Hotels. So gestärkt konnten wir uns jetzt ins Getümmel von Vancouver stürzen. Auf die Stadtrundfahrt mit dem Bus haben wir verzichtet, weil das Wetter so schön ist.

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Andenkenladen auf Granville Island

Als erstes Highlitght war der Vancouver Lookout vorgesehen. Von der Aussichtsetage kann man einen ersten Überblick über die schön gelegene und weit verbreitete Stadt nehmen. Vancouver gilt als die attraktivste Großstadt Kanadas, ihre Lage zwischen Küstengebirge, Fraser River und Meer unübertroffen. Strände und zahlreiche Parks prägen das Stadtbild. Aus 168 m Höhe  hat man eine Top Aussicht. Auffallend sind natürlich die Wohntürme, das Olympia Stadium und der Canada Place mit Jachthafen Coal Harbour. Sehr schön sehen kann man auch den Wasserflugplatz, wo dauernd die kleinen Flieger starten und landen. Deutlich zu erkennen, der Stanley Park in seiner ganzen Größe. Ich könnte hier oben Stunden verbringen und schauen, aber leider haben wir soviel Zeit nicht für Vancouver.

Nach Verlassen des Turmes widmeten  wir uns dem ältesten Bezirk Vancouvers, der Gastown, hier gelang die Restaurierung eines einst herunter gekommenen Stadtteils. Heute besitzt Gastown hinter den nostalgisch getrimmten neuen Fassaden jede Menge Shops für Krimskrams und Souvenirs und eine attraktive gastronomische wie auch Nachtclub-Szene. Gleich zwei Wahrzeichen sind hier zu bestaunen: die Steam Clock, die viertelstündlich pfeift und stündlich Dampf abläßt. Eine Statue des berühmt-berüchtigten Stadtgründers Gassi Jack (John Deightons 1830-1875), auf einem Whiskyfass.

Gassi Jack
Gassi Jack

Ein paar Schritte neben der Dampfuhr befindet sich der Laden „Hills Native Art“ mit einer Ausstellung indianischen Kunsthandwerks. Trotz der vielen Touristen wirkt der Stadtteil noch relativ authentisch. Hier fehlt uns die Zeit in einem kleinen Strassen Café einzukehren. Es ist schon verlockend hier zu sitzen und den Leuten zuzuschauen.

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Shop im Gastow

Als nächstes gehen wir über den „Canada Place“. Die markante weisse Segel-Konstruktion fällt als eines der Wahrzeichen der Waterfront immer ins Auge. An ihren Flanken liegen oft die beeindruckend grossen Alaska-Kreuzfahrtschiffe, auch heute lag dort solch ein Koloss.

Weiter kommen wir über die Seawall Promenade, einem ausgebauten Rad- und Wanderweg.  9 km lang am Wasser entlang, genießt man wunderbare Ausblicke auf City und Hafen. Bevor wir die 9 km abgelaufen sind biegen wir links ab Stadteinwärts zur Robson Street mit ihren unzähligen Boutiquen und anderen Läden, sie zählt als Flaniermeile. Mehrere unterirdische Einkaufszentren bieten Einkaufsvergnügen bei jedem Wetter. Mit Abstand größte Shopping Mall ist das Pacific Centre mit über 90 Geschäften. Das lassen wir aus, da unser Gepäckvolumen begrenzt ist. Wie schade, keinen Einkaufsbummel, auch nicht einen Klitzekleinen ! Langsam spüren wir die Füsse und den Rücken.

Canada Place
Canada Place vom Vancouver Lookout aus

Als wir in Vancouver ankamen bot das Hotel OPUS uns kostenlos Mietfahrräder an. Gestern haben wir sie uns reservieren lassen. Wir sind davon ausgegangen, dass wir  die Räder den ganzen Tag zur Verfügung haben. Aber heute morgen hörten wir, dass es nur für zwei Stunden möglich ist. Eine weitere Stunde konnten wir noch raushandeln, aber mehr nicht. Unser Vorhaben war, rund um den Stanley Park zu fahren. Das werden wir in drei Stunden nicht schaffen. Mal schauen wie weit wir kommen. Die Räder liefen gut, den Wind hatten wir im Rücken. Es machte viel Spass über den Strandweg dahin zu flitzen. Die Aussicht war grandios und abwechslungsreich. Irgendwann war der Strandweg zu Ende und wir fuhren in den Wald. Der schöne, glatte Weg war auch zu Ende, es ging ordentlich Bergauf. Das war dann nicht mehr so lustig, da die Räder eigentlich eher Strandweg tauglich waren. Wir quälten uns noch ein gutes Stück die Hügel rauf und runter, konnten aber jetzt schon feststellen, dass wir es in den drei Stunden nicht schaffen rund zu fahren. Nach einer Pause mit schöner Aussicht auf die Lions Gate Bridge und den Goose Mountain brachen wir die Fahrt ab und versuchten quer durch den waldigen Park einen Rückweg zu finden. Das war nicht so einfach, denn viel verfahren durften wir uns nicht mehr, die Zeit drängte. Nach einigen Zick-Zack hin und her fanden wir den Einstieg zum Strandweg wieder. Von da aus ging es dann flott zurück und wir waren  pünktlich zur Abgabe der Räder wieder am Hotel. Gerne hätten wir noch die Totempfähle gesehen, aber dann wären wir besser die Runde anders herum gefahren, daran haben wir nicht gedacht. Ebenso lag der Leuchtturm, der Rose Garden und das Aquarium an der Strecke, die wir nicht mehr geschafft haben. Es war schon etwas ärgerlich.

Morton Park
„A-maze-ing-laughter“ im Morton Park

Einen Vorteil hatte es trotzdem, es war erst Mittag und wir konnten noch etwas Schönes unternehmen. Also gingen wir zum Hafen, bestiegen eines der lustigen kleinen Wassertaxis und fuhren auf die im False Creek gelegene Insel Granville Island. Die Insel war seit 1886, Ankunft der Eisenbahn, ein Industriegebiet, in dem sich Schiffsbaubetriebe, Holzfirmen, Bergwerks- und Baugesellschaften ansiedelten. Nach der Weltwirtschaftskrise 1929 gaben viele Betriebe auf. Es entwickelte sich eine schäbige Hüttensiedlung, in der nur diejenigen blieben, die keine Arbeit hatten oder sich als Tagelöhner durchschlugen. Nach deren Abriss war die Insel eine vergessene Industriebrache. Dann, in den 1970er Jahren, schaffte eine erfolgreiche Sanierung die bewundernswerte Verwandlung des hässlichen Entleins in einem schönen Schwan, und Granville Island etablierte sich als unverwechselbares, populäres Touristenziel in Vancouver.

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Nase mit Brille

Wir staunten nicht schlecht als wir mit dem kleinen Boot ankamen. Überall saßen Besucher bei Speisen und Getränken in den vielseitigen Restaurants, Bistros und Cafés. Diese Fülle und Vielfalt an Geschäften, Kunstgalerien und Kunsthandwerksbetrieben war enorm. Eine weiterer Attraktion war der große, rot leuchtende Public Market, er ist der Top Anziehungspunkt der Insel. In den überdimensionalen Markthallen reizt ein farbenprächtiges Angebot an tagesfrischem Obst und Gemüse, Backwaren, Käse und Wurst, Fisch und Fleisch alle Geruchs- und Geschmackssinne. Das Mittagsangebot bietet für jeden Gaumen etwas, was man auf der grossen Terrasse einnehmen kann. Dabei hat man einen Blick auf den Hafen mit historischen Seglern, modernen Jachten und kleinen Fähren. Schade, dass wir schon gegessen hatten.  Doch  Vorsicht vor den gierigen Möwen. Die gefiederten Inselbewohner lauerten überall, um ungefragt sich auf die Leckereien zu stürzen.

Nachdem wir uns durch den Public Market geschoben hatten und einige Souvenirs- und Geschenkläden abgeklappert haben, stellten wir uns zufrieden und müde bei der wartenden Besucherschlange am Hafen an. Unermüdlich fuhren die kleinen Wassertaxis hin und her um die Menschen wieder nach Vancouver zurück zu bringen. Es ist gut organisiert. Wir warteten nicht lange.

Public Market auf Granville Island
Public Market auf Granville Island

Wieder zurück im Hotel, packten wir unsere Koffer, denn am nächsten Tag ging die Reise weiter. Viel haben wir gesehen, vieles auch nicht. Das quirlige Vancouver hat mir gut gefallen, aber ich bin froh auch wieder einmal in etwas kleinere ruhigere Orte zu kommen.

Was uns aufgefallen ist, dass es hier in Vancouver sehr viele Obdachlose gibt, die auch am Tage in Hauseingängen und Parks liegen. Im Herbst sollen wohl noch mehr dazukommen, weil die Winter hier nicht so kalt sind. So ganz verstehen kann man das nicht, wo doch Kanada eigentlich ein wohlhabendes Land ist ?

 

 

„Wandel und Wechsel liebt, wer lebt“

 

3 Gedanken zu “Kanada, der Westen

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