Herr Niemand

Rupert Lemon war ein erfolgreicher Architekt. Mit seiner Freundin Gigi leitete er zusammen die Architekturfirma ihres Vaters. Für den Abschluss eines grossen Bauauftrages waren beide auf dem Weg zum Flug nach Tokio. Beim Einchecken am Flughafen stellte Rupert fest, dass er seinen  Reisepass, samt Brieftasche vergessen hatte. Ihm war  bewusst wie wichtig dieser Auftrag ist, er durfte den Flug nicht verpassen. „Geh du schon durch, ich fahre kurz nach Hause hole meine Unterlagen, mach dir keine Sorgen, ich schaffe das.“ beruhigt Rupert Gigi. Bevor ihr vorwurfsvoller Blick ihn traf, war er schon weg.

Wild mit den Armen fuchtelnd versuchte er vor dem Flughafen ein freies Taxi zu bekommen. In diesem Moment hielt ein Auto vor ihm, der Fahrer drückte ihm den Autoschlüssel und die Papiere in die Hand. „Können sie bitte das Auto bei der Autovermietung „Hertz“ für mich abgeben, ich bekomme sonst meinen Flieger nicht mehr“?

„Ja, ja sicher, sie schickt der Himmel, ich selbst muss nur schnell meine Unterlagen noch holen, da kommen sie mir mit dem Auto gerade recht, das geht doch, oder“?

„Natürlich, aber nicht vergessen, abgeben bei der Firma Hertz, Schlüssel brauchen sie nur einzuwerfen in den Kasten.“

Zeit zum Nachdenken hatte Rupert nicht, es hing so viel für ihn von diesem Auftrag ab, die Anstellung als Geschäftsführer und die Heirat mit Gigi.

Ruck-zuck fädelte er sich in den laufenden Verkehr ein in Richtung seiner Wohnung.

„Buoh, das geht aber langsam, was hampelt der denn so mit seinem Anhänger vor meiner Nase rum,“ er gab Gas und  setzte zum Überholen an ………………………..

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Um ihn herum drehte sich alles, sein Kopf dröhnte wie ein Hammerwerk, grelles Licht blendete seine Augen. Über sich gebeugt sah er verschwommen eine Person in Weiss. Er konnte sehen wie sich die Lippen bewegten, hörte aber nichts. Langsam nahm er Wortfetzen wahr, – Unfall gehabt – keine Papiere gefunden –  wiederholt wurde er gefragt „wie heißen Sie ?“-    Rupert konnte keine Antwort geben, er wühlte auf seiner Liege herum. Die Ärzte in der Kölner Klinik versuchten ihn zu beruhigen. Starker Schwindel, Übelkeit und Amnesie, seien normal nach so einem Unfall. In der Regel verschwindet das  nach einigen Stunden wieder. Doch bei ihm nicht. Er wusste noch nach zwei Tagen nicht seinen Namen, Wohnort und sein Alter. Am Nachmittag hatte er gedacht die nette Frau die zu Besuch kam, wäre seine Ehefrau, aber die hat nur gelacht und gesagt:“ Ich bin die Frau deren Auto sie zu Schrott gefahren haben, ich wüsste auch gern wer sie sind. Dann könnte ich meinen Autoschaden bei ihrer Versicherung melden. Aber ohne ihren Namen geht da erst einmal gar nichts.“ Bei der Polizei ist auch noch keine Suchmeldung eingegangen. Das Einzige was sie sagen können ist, dass das von ihm gefahrene Auto ein Mietwagen war und von einem Nico Laszlo am Flughafen Köln gemietet wurde. Der Her Laszlo ist zur Zeit nicht auffindbar. Aber die Ermittlungen dauern noch weiter an, laut Polizeimeister Böhm. Der Oberarzt Dr. Kuhn hatte ein weiteres Problem mit dem Patienten. Die Diagnose lautete; körperlich gesund. Die Ärzte konnten im Krankenhaus nichts weiter für ihn tun, er konnte entlassen werden. Regelmäßige Treffen mit einer Psychologin sollten ihm ab der nächsten Woche helfen den Unfall zu verarbeiten und ins Leben zurückzufinden. Wie lange die Amnesie anhält kann niemand genau sagen. Aber wohin sollte er entlassen werden ?  Es muss eine „Bleibe“ für ihn gesucht werden.

Der neunjährige Sohn von Frau Treplov, der Unfallgegnerin, rief ganz begeistert :“Mami, wir können ihn doch mitnehmen, den armen Mann.“ Alle schauten Frau Treplov fragend an.

„Jimmi, ich habe schon genug Ärger am Hals.“ „Och, Mami wir haben  doch noch das kleine Dachzimmer da kann er solange wohnen, bis er von seiner Frau abgeholt wird, oder weiß wo er hingehört.“ Die Kinder quengeln. „Wir können ihn  Herrn Niemand nennen“ schlägt die kleine Trixi vor.

„Na gut, wir versuchen es, es gibt nicht viele Möglichkeiten.“

„Vielen, vielen Dank Frau Treplov, ich werde mich nützlich machen wo ich kann, damit ich ihnen so wenig wie möglich zur Last falle.“

Nina Treplov wohnte mit ihren beiden Kindern Jimmy und Trixi auf dem alten Restbauernhof ihrer verstorbenen Eltern in Wahnheide. Es dauerte eine Weile bis sie das kleine Dachzimmer aufgeräumt hatten und Herr Niemand einziehen konnte. Auch etwas anderes zum Anziehen musste her, er konnte nicht den ganzen Tag in seinem Anzug verbringen. Sie fanden noch von dem Exmann Treplov  ein paar Jeans und T-Shirts die er fürs Erste benutzen konnte.

Der neue Mitbewohner lebte sich schnell in die kleine Familie ein, die Kinder waren begeistert von ihm. Beim gemeinsamen Kochen hatten sie viel Spaß miteinander. Nachmittags machten sie Spiele und Ausflüge. Herr Niemand machte sich im Haus nützlich, auch wenn er keine grosse handwerkliche Hilfe für Nina war. Was er gut konnte waren Papierhäuser und Städte mit den Kindern bauen. Nur die Erinnerung an sein vorheriges Leben wollte nicht zurück kommen.

Nina war Künstlerin. Sie entwarf Schmuck und töpferte. Beim Verkauf, auf den Kreativmärkten konnte er gut  mithelfen und hatte Ideen. Anscheinend fühlte er sich wohl bei ihnen.

Nach einer Woche waren Herr Niemand und Nina auf dem Rückweg vom Kindergarten, als auf der anderen Straßenseite plötzlich ein Audi Cabrio anhielt. Die Fahrerin winkte und rief „Rupert“. Dann stieg sie aus und lief auf ihn zu. Fremd und vorsichtig schaute er die Frau an. Er kannte sie, hatte sie schon gesehen, wusste aber nicht wo.

„Was ist dir denn passiert, erkennst du mich nicht ? Seit ich zurück bin aus Tokio haben wir dich gesucht, dein Bild ist heute in der Zeitung erschienen. Auf dem Polizeipräsidium hat man mir die Adresse gegeben, wo du nach dem Unfall und Krankenhausaufenthalt geblieben bist. Kannst du dich denn immer noch nicht erinnern? Ich bin doch Gigi, wir leben und arbeiten seit fünf Jahren zusammen, wollen bald heiraten.“

Verunsichert fragt Rupert: „Sagst du mir bitte deinen Namen noch einmal ?“

„Das gibt es doch nicht“, rief Gigi aufgebracht, „Lass uns nach Hause fahren, dann wirst du dich schon an alles wieder erinnern. Ich musste allein nach Tokio fliegen habe es trotzdem geschafft den Auftrag an Land zu ziehen. Nach dem du den Flieger verpasst hast, was sollte ich denn anderes machen“. Sie hakte sich bei ihm unter und zog ihn in ihr Auto.

Nina schaute ziemlich betroffen: „Wie will die dem denn jetzt alles erklären, der weiss doch immer noch nicht wer er ist und was er in seinen Leben vor dem Unfall gemacht hat? Noch nicht einmal ein Danke schön, für die Betreuung konnte sie sich abwringen. Hoffentlich setzte er seine Therapie weiter fort und versucht langsam wieder einzusteigen in dieses andere Leben, aber dass wird die Therapeutin ihm schon beibringen. Das sollten meine Sorgen nicht mehr sein.“

Auf dem Heimweg kaufte Nina sich eine Zeitung und schaute sich die Suchmeldung und das Bild von Niemand an. Danach brachte sie ihr Auto in die Werkstatt, jetzt wo der Unfallverursacher namentlich bekannt war konnte sie die Reparatur in Auftrag geben.

Als die Kinder Mittags aus Schule und  Kindergarten kamen, waren sie traurig das Herr Niemand weg war und sie sich nicht von ihm verabschieden konnten. Gerne hätten sie ihn mal besucht, aber leider wurde nichts verabredet.

Nach zwei Wochen läutete am späten Nachmittag bei Nina die Türglocke. Niemand stand vor der Haustür in der einen Hand einen kleinen Koffer und in der anderen einen grossen Blumenstrauß: „Ist das Dachzimmer noch frei, ich möchte es gerne mieten, wenn es geht mit Familienanschluss ? Ich schaff das nicht, ich kann nicht mehr zurück in mein altes Leben, es ist mir fremd. Hier habe ich mich wohlgefühlt.

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Zuerst war Nina sprachlos, aber dann freute sie sich denn sie und die Kinder hatten ihn vermisst.

Dieses ist eine fiktive Geschichte , alle Personen, Namen und Orte sind frei erfunden !

 

 

 

 

 

 

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