Das Garten Geheimnis

Völlig erschöpft von der sommerlichen Hitze und dem Nachmittags Gewitter lag Jolanda in dem alten Gartenstuhl. Der sonderbare Gärtner, den die Firma „Gute Erde“ ihr geschickt hatte, wollte unbedingt spät Abends kommen und die Gartenarbeit machen. Es hatte ihr einiges an Kraft gekostet diesen borstigen Kerl zu überzeugen einen anderen Termin zu finden. Es war ihr gelungen sich durchzusetzen. Am Abend lag sie unter dem brüchigen Dach des Gartenhauses und hörte die unbekannten Geräusche, die zu ihr drangen. Jedesmal erschreckte sie sich. Es war ihr erster Sommer auf dem Lande, und sie verfluchte den Augenblick, an dem sie, die Großstädterin, zugestimmt hatte, das Häuschen zu übernehmen, dass ihre Tante Maiken ihr zusammen mit einer kleinen Rente hinterlassen hatte.

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Der Gärtner ließ sich auch nicht mehr blicken, erst war sie nicht traurig darum. Abends goss sie die Blumen und pflückte die Schnecken von den Erdbeeren. Aber bald schon wuchs ihr die Gartenarbeit über den Kopf. Im Dorf lachten die Leute und schüttelten die Köpfe. Das Unkraut wuchs bis unter die Fensterbank. Vögel belagerten die Obstbäume, Feldmäuse rannten, selbst am Tage, zwischen den Kohlköpfen herum. Tante Maiken schaute aus ihren Bilderrahmen und lächelte sie an.

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An einem Abend zogen zerpflückte Wolken am Himmel und der Wind drückte das Küchenfenster ein, dabei riß die Wäscheleine ab. Am morgen sah Jolanda ihre T-shirts und Socken in den Sträuchern baumeln. Wütend sammelte sie alles ein. Lange suchte sie nach ihrem roten Höschen aus Mallorca, sie war nie dort gewesen und würde wahrscheinlich auch nie dorthin kommen. Schließlich fand sie es im Gestrüpp nähe des Komposthaufens. Es sah aus wie eine rote Blüte zwischen den Stengeln. Unter den Blättern am Boden wuchs kein Kraut, die Erde war schwarz und fett und sah aus wie frisch gejätet. Riesige Früchte ruhten gefleckt und träge wie fremde Tiere im Halbschatten unter den Blätterdächern. Jolanda  meinte, sie atmen zu hören. Da war doch etwas.

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Sie stellte ihren Wäschekorb in die Brennnesseln und beugte sich nieder, ihre Wange berührte fast die Erde. Sie erschrak. Sie schaute in ein Gesicht. Jolanda schloss die Augen, wischte über ihr Gesicht, stand auf und hielt ihr Gesicht in den Wind. Als sie die Augen wieder öffnete schaute sie erneut an die Stelle. Da lag er, und zwischen den Blättern entdeckte sie einen Fuß, ein Knie und eine Hand.“Ich werde ihn ernten, wer sonst sollte es tun.“ Aus der Schublade holte sie das grosse Messer und trennte den geriffelten Stiel ab. Vorsichtig half sie dem Kerl auf, damit sie seine Haut nicht verletzte, und bugsierte ihn in die Schubkarre. Sie hatte ja Erfahrung, lange genug war sie in der Krankenpflege tätig. „Wohin jetzt mit ihm „? Sie lud ihn  erst einmal ab aufs Bett. Jolanda war etwas benommen. Sie setzte sich an den Küchentisch und öffnete ein Glas mit eingelegter Gänsebrust, dazu trank sie ein Glas von Tante Maikens selbst gemachten Johannisbeermost. Der Mann aus dem Garten lag mitten im Bett und schien zu schlafen. Ungewohnt für sie legte sie sich am Abend hinter ihn. Das Bett war voller Erdkrümel und sein Körper strahlte eine große Wärme aus. Jolanda fand keinen Schlaf. Ihr Gast atmete heftig und schlingerte auf den Wellen seiner Träume. Irgendwann schlief sie dann ein. Am anderen Morgen wachte sie auf und stellte fest das der Gartenmann immer noch in ihrem Bett lag.

Tagsüber lag er einfach im Hause herum, auf dem Bett, in der Hängematte oder auf dem Sofa in der Küche. Er aß andächtig und ohne Hast, verstand alles sofort und vergaß nie etwas. Am Anfang hatte sie versucht ihn zum sprechen zu verleiten, oder ihm Handzeichen beizubringen. Alles wehrte er lächelnd und geduldig ab. Seine Selbstgenügsamkeit und Faulheit hatten Jolanda etwas irritiert, aber das kam nur davon,  daß sie ihn verglich mit früheren Männern, die sie kannte. Es störte ihn aber auch nicht wenn sie bis mittags im Bett lag und Krimis las, oder in den Garten hinaus lief – er ging nie hinaus.  Auch störte es ihn nicht, daß sie sich nie kämmte, oder auch den ganzen Tag im Nachthemd rumlief. Es war als ging die Sonne für ihn auf, wenn er sie sah.

Bis eines Tages die wunderbaren, langsamen Sommertage zu Ende gingen und es nach Herbst roch. Da bemerkte Jolanda eine Veränderung seiner Gestalt, er wurde praller und schwerer. Seine Bewegungen wurden langsamer, seine Blicke immer schläfriger.

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An einem gewittrigen Vormittag erwachte Jolanda  neben einem großen, reifen Kürbis. In Tante Maikens Kochbüchern fanden sich erstaunlich viele Rezepte. Süß-sauer, mit Curry, mit Tomaten und Zwiebeln. Sie machte sich an die Zubereitung und stand summend in der Küche. Auf den Regalen reihten sich die Gläser, Bauch an Bauch. Der Winter konnte kommen. Am Abend studierte sie im Bett den Hundertjährigen Kalender und fand heraus, dass der Gärtner im nächsten Sommer viele üppige und reichliche Gaben zu erwarten hatte. Ehe sie einschlief, notierte sie sich die Adresse eines Betriebes , der Glashäuser für Warmbeete herstellte. Die erste Ernte konnte dann schon im Spätfrühling erfolgen, versprach man dort den Kunden und auf der Zeichnung war ein lachender Mann zu sehen, der einen gewaltigen Kürbis umarmt hielt.

Freie Nacherzählung einer Geschichte von Keto von Waberer

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