Die letzten Tage in Neuseeland

Nachdem wir uns in den letzten Wochen an der wunderschönen Naturlandschaft berauscht hatten, freuten wir uns wieder einmal in eine größere Stadt zu kommen. Unser Rückflug ging von Christchurch, der Südinsel, zurück nach Deutschland.   Zwei freie Tage standen uns für die Stadtbesichtigung zur Verfügung. Gerade hatten die Neuseeländer das Erdbeben in Christchurch vom Herbst 2010 überstanden und sich bemüht, die Trümmer zu beseitigen und ihr bisheriges Leben wieder aufzunehmen, bebte die Erde Anfang 2011 erneut. Zwar waren die Erderschütterungen vom 22.Februar 2011 nicht ganz so stark, doch hatten sie katastrophalere Auswirkungen und forderten 185 Todesopfer und mehrere Tausend Verletzte. Dieses erneute schwere Erdbeben zerstörte fast die gesamte Innenstadt, weil der Erdbebenherd näher an der City lag und in geringerer Tiefe. Die Innenstadt riegelte man nach der Evakuierung mit hohen Drahtzäunen ab und nannte sie „Red Zone“. Bei unserem ersten Rundgang waren wir schockiert vom Ausmaß der Zerstörungen. Noch nicht beseitigte Ruinen, enorm viele freie Flächen, wo einst Häuser standen, beschädigte Hauswände, die von übereinander gestapelten Schiffscontainern gestützt wurden. Vor allem Bauten aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert sind betroffen. Vom Verlust von bis zu 50% aller denkmalgeschützten Häuser ist die Rede. Zwar hielten die meisten modernen Bauten die Erdstöße aus, aber die wenigen, die einstürzten, begruben Hunderte Menschen unter sich. Hier sind die meisten der 185 Opfer zu beklagen. Der eingestürzte Turm der Kathedrale wird zum Symbol der Katastrophe, er krachte auf den Cathedral Square.

zerstörte Kathedrale.jpg

Es sind jetzt gut drei Jahre vergangen und bis alle Spuren beseitigt sind kann es noch zwei Jahrzehnte dauern. Die größte Stadt auf der Südinsel Neuseelands wird nie mehr die alte sein. Doch mit gigantischem Aufwand soll eine neue City entstehen. Der Verlust der Architektur ist unermesslich. Noch sieht man an vielen Orten Kräne, Bagger, Räumfahrzeuge und Arbeiter beim Abreißen der Gebäude oder beim Transport von Trümmern. Der Wind wirbelte Staub von den Schutthalden auf. Es herrschte eine fast surreale Atmosphäre. Die ehemalige Einkaufsstrasse Cashel Mall, die anfangs zur Red Zone gehörte, war mit farbigen Schiffscontainern, teils aufeinander gestellt ersetzt. Sie ersetzen zunächst die geplanten neuen Gebäude. In den Containern waren neben Geschäften auch Banken, ein Postamt und Cafés untergebracht. Rundherum Blumen und viel Grün, Imbissstände, Shopping und Kaffeetrinken, ziemlich einzigartig. Am Ende der Mall wurde man durch einen Zaun der Red Zone gestoppt. Hier fing das graue, tote Niemandsland im Kontrast zur bunten, Einkaufsmeile an.

Red Zone, Christchurch.jpg

Am Nachmittag entschließen wir uns zu einer Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln raus aus der Stadt zum  Strand. Wir machen einen Ausflug nach Lyttelton, dem Hafen von Christchurch und zum Küstenvorort Sumner. Allerdings wurden uns hier erneut die Schrecken der Naturkatastrophe nahe gebracht. Denn auch hier verursachten die Erdbeben gewaltige Schäden.

Tram Christchurch.JPG

Während der Busfahrt kamen wir an Kilometer langen aufgestellten Containern, rechts und links der Strasse vorbei. Hier lagerte das Hab und Gut der Leute, die ihre Häuser verlassen mussten. Sie wurden evakuiert auf die Nordinsel, oder zogen zu Verwandten. Mehr als 13.000 der einst 376.700 Einwohner haben Christchurch inzwischen verlassen. Die durch Erdrutsche an den Hängen der Port Hills, gefährdeten Häuser sahen dramatisch aus, als wenn sie jeden Moment abstürzen. Rund 9000 Wohnhäuser wurden zerstört oder so stark beschädigt, dass sie abgerissen werden müssen. Dasselbe gilt für die meisten historischen Gebäude inklusive Kirchen. Auch etliche hohe Bürogebäude und Hotels stehen noch auf der Abbruchliste. Etwa 100.000 Wohnhäuser sind reparaturbedürftig. Beim Blick aus dem Bus verspricht ein Plakat   „We will smile again“. Mit einem sehr bedrückendem Gefühl kehrten wir am Abend ins Hotel zurück. Wir freuten uns jetzt auf unser zu Hause, es kam keine Urlaubsstimmung mehr auf.

Botanischer Garten.JPG

Hagley Park.JPG

Park Christchurch.jpg

Am nächsten Morgen gingen wir noch einmal durch den Hagley Park und Botanischen Garten. Es ist einer der größten innerstädtischen Parks der Welt. Hier genießen wir die Ruhe und die zahlreichen blühenden Pflanzen. Auf letzte Souvenirs in der Containerstadt verzichten wir. Wir hatten kein Shopping Feeling.

                                       AUF WIEDERSEHEN IN AOTEAROA

HAERA  RA

 

Wahrzeichen von Neuseeland.jpg

3 Gedanken zu “Die letzten Tage in Neuseeland

  1. Das kann ich verstehen, dass nach den Bildern und Infos keine Urlaubsstimmung mehr aufkam. Aber den komplette Neuseeland Reisebericht fand ich spannend, klasse, toll. Danke! Liebe Grüße aus´m Pott

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