Wohnhäuser inmitten von Lava und Fels

An einem Nachmittag, kurz vor Urlaubsende, besichtigten wir das Wohnhaus von Cesar Manrique. Heute ist hier die Stiftung und ein Museum untergebracht. Als Manrique 1968 aus New York nach Lanzarote zurückkehrte, wollte er sich auf der Insel dauerhaft niederlassen. Er machte sich auf die Suche nach einem geeigneten Grundstück. Eines Tages kam er am grossen Lavafeld bei Tahiche vorbei. Es fiel ihm die Spitze eines Feigenbaumes auf, die ein Stück über die Lavafläche herausragte. Bei näherer Betrachtung sah er, dass der Baum in einem unterirdischen Hohlraum, einer Lavablase, stand und dort Wurzeln geschlagen hatte.

Feigenbaum.JPG

Vier weitere Lavablasen lagen gleich daneben. Schon bald kam ihm die Idee – hier wollte er sein Haus bauen. Er machte die Eigentümer ausfindig und wollte ihnen das Land abkaufen. Die fühlten sich geschmeichelt und schenkten ihm das für sie völlig wertlose Stück Lavaboden. So entstand hier sein Wohnhaus mit Atelier mitten in einem knubbeligen schwarzen Lavafeld. An diesem Haus wird deutlich wie er Natur und Kunst miteinander verknüpfte. Die fünf darunter liegenden Hohlräume verband er durch Gänge mit dem oberirdischen Wohnraum. Dies zeigte wieder wie kreativ man mit dem natürlichen Potenzial Lanzarotes umgehen kann.  In den oberirdischen Räumen wurden flächendeckende Fensterfronten gebaut, die das Licht hineinfluten lassen. Gleichzeitig hat man einen herrlichen Panoramablick über das Lavameer. Durch ein schmiedeeisernes Tor mit den Initialen Manrique gelangt man auf das reich bepflanzte Anwesen. Vorbei an einem kleinen Glockenstuhl gehen wir zur Kasse. Rechts, in gelungener Farbenpracht fällt uns ein Windspiel auf. Diese kleinen Kunstwerke begegneten uns schon in vielen Orten auf Lanzarote. Immer wieder in unterschiedlichsten Ausführungen, meist in der Mitte einer Strassenkreuzung. Um in den Innenbereich zu gelangen traten wir durch eine seitliche Tür und kamen in einem kleinen Innenhof.

Eingang Museum Manrique.JPG

Dort wuchs aus einer Öffnung, einer darunter liegenden Lavablase, eine Palme. Etwas weiter erreicht man das oberirdisch angelegte ehemalige Wohnzimmer Manrique, dass aufgrund der hellen Farben und Fenster eine großartige Wirkung vermittelt. Durch eine im Boden ausgesparte Öffnung ragt der legendäre Feigenbaum aus dem Untergeschoss. Die Wände sind geschmückt mit Manrique Sammlung moderner Kunst, hauptsächlich spanischer Herkunft. Im nächsten Raum folgen Skizzen und Fotografien von Manrique Naturprojekten. Ein weiterer separater Raum, das ehemalige Schlafzimmer, zeigt alles von den naturalistischen Anfängen mit Buntstift, Aquarell- und Kohlezeichnungen bis zu architektonischen Plänen für realisierte und nicht realisierte Objekte. Weiter steigen wir hinab in den unterirdischen Trakt der Lavablasen. Sehr wirkungsvoll sind die Höhlenböden, Wände und niedrigen Verbindungsgänge halbhoch weiss gestrichen, die obere Hälfte ist naturbelassen schwarz.

Wohnhaus Manrique.JPG

Schön verstreut sind überall kleine Kunstwerke und Skulpturen angeordnet. Der Anfang bildet eine Grotte mit weisser Ledergarnitur, danach folgt ein Raum mit knallroter Sitzgarnitur und dem Feigenbaum, der nach oben in das Wohnzimmer wächst. Bevor wir in den Hof kamen, führte der Gang uns am Badezimmer vorbei, das sehr gelungen in eine schräge Nische des Lavagesteins platziert war. Ein besonderes Schmuckstück im grossen offenen Hof war der weisse Pool, dieser ließ sich auf kantigen Lavablöcken balancierend überqueren. Aus einer Röhre plätscherte Wasser ins Becken.

Pool Manrique.JPG

Unter einem Felsvorsprung stand eine weitere gemütliche Sitzgruppe, daneben ein traditioneller Grillofen. Früher wurde hier Fisch und Fleisch gebraten. Beim Weitergehen durch die Lavablasen stiegen wir wieder hinauf in einem grossen Ausstellungssaal. Mehr als zwei Dutzend großformatige Werke von Manrique und Künstlerkollegen hangen hier an den Wänden. In teils düsteren Farben, erdverbunden und schwer, sind die abstrakten Werke zur umgebenen Lavawüste gestaltet. Was mir in diesem Raum besonders gut gefallen hat, war ein grosses Fenster dass wie ein Bilderrahmen wirkte, für die wild geformte Lava dahinter – dazu mit Blick auf die Berge und eine gut platzierte Palme im Vordergrund. Als Letztes kamen wir in den Hof des Museums. Ein Blickfang war die lange bunte Mosaikmauer. In den angrenzenden niedrigen Gebäuden war eine Cafeteria und ein Manrique-Souvenir-Shop eingerichtet. Voll ausgefüllt von den erlebten Eindrücken lassen wir den Besuch des Museums mit Cappuccino und Kaffee ausklingen.

 

 

Wie gewonnen so zerronnen

Museum LagOmar.JPG

Am nächsten Nachmittag, unser Urlaub neigt sich langsam dem Ende zu, besichtigen wir noch das „Centro de Cultura Lag Omar“. Dieses Anwesen liegt im kleinen Ort Nazaret kurz vor der alten Inselhauptstadt Teguise. Wir mussten schon etwas suchen, weil die Ausschilderung sehr sparsam war. Einige pompöse Villen fallen ins Auge, doch auch die Mittelklasse war vertreten. Das später „Casa Omar Sharif“ genannte Anwesen wurde in den 70er Jahren von einem bekannten Inselkünstler und Architekten Jesus Soto entworfen. 1973 kam Omar Sharif nach Lanzarote um den Film „La Isla Misteriosa“ (Herrscher einer versunkenen Welt“ oder „Die Todesinsel des Kapitän Nemo“. nach einem Roman von Jules Verne zu drehen. Er wurde von einem Immobilienmakler in das Haus eingeladen und war so begeistert von Architektur, Lage und Blick, dass er es spontan kaufte. Noch am selben Tag forderte ihn der Makler zu einem Bridgespiel auf. Wetteinsatz sollte die „Casa Omar Sharif“ bzw. der Gegenwert in bar sein. Sharif war ein leidenschaftlicher und geübter Spieler. Manche sagten ihm auch nach, er sei ein Zocker und meinte problemlos gewinnen zu können. Was er nicht wusste, dass sein Gegenspieler ein mehrfacher europäischer Bridgemeister war. Es kam wie es kommen musste: Am selben Tag, an dem er das Haus gekauft hatte, verspielte er es wieder und wurde seitdem nie mehr auf Lanzarote gesehen.

 

Der Makler beauftragte daraufhin Cesar Manrique, das Haus künstlerisch umzugestalten. 1989 erwarben es zwei deutsche Architekten. Sie beschlossen einen kulturellen Anziehungspunkt daraus zu machen. Aus dem restlichen Teil des Steinbruchs wurde das heutige “ Restaurant LagOmar“ angebaut.

Eingang.JPG

Nun passierten wir die Museumskasse und betraten das blendend weisse Anwesen durch einen Wassertunnel, vorbei an Vogelvolieren und einem kleinen Wasserfall. Architektonisch reizvoll schmiegte es sich eng an einem rostroten Berghang, wo einst Steine gebrochen wurden.

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Über Stufen stiegen wir eine steile Treppe hinauf zur „Casa Omar Sharif“. Das ganze Haus war wohnlich eingerichtet, wobei die Handschrift Manrique wieder deutlich wurde. An den Wänden hingen Fotos und Plakate zur Hausgeschichte und zum Film „La Isla Misteriosa“. Das Schlafzimmer und die Küche alles war geschickt in die Felsen gebaut.

 

Spieltisch.JPG

Im oberen Stockwerk konnte  man noch einen grün bespannten Spieltisch mit Bridgekarten sehen, gerade so als wären Sharif und der Makler nach dem Spiel aufgestanden. Die Aussicht hier oben über Lanzarote war schon toll, bei klarer Sicht ist es möglich bis Fuerteventura zu blicken. Alles ist sehr verwinkelt aber architektonisch interessant angelegt.

Ausblick.JPG

Ob man hier praktisch wohnen kann, mag ich zu bezweifeln. Danach stiegen wir die schmalen Stufen wieder hinab, am Restaurant  vorbei, das sich mit Grotten, Tunnelgängen und Treppen um den kleinen See gruppiert. Eine Kunstgalerie mit wechselnden Exponaten kann  auch noch besichtigt werden.

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Garten.JPG

Wer dann noch unternehmungslustig ist wird sich abends die Höhlenbar „La Cueva“ ansehen oder sich für einige Tage in der LagOmar Apartment Anlage einquartieren. Für uns geht nun ein schöner Urlaub zu Ende.

Wassertunnel.JPG

Gartenansicht.JPG

Morgen werden wir unseren Mietwagen abgeben und  übermorgen um  sieben Uhr in der Früh geht es ab mit dem Flughafenbus nach Arrecife.

 

 

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