Cesar Manrique

Wer auf Lanzarote Urlaub macht kommt nicht an dem außergewöhnlichen Künstler Cesar Manrique vorbei. Überall sind seine Spuren zu finden. Auch an unserem vierten Tag auf der Insel besuchten wir eine weitere Sehenswürdigkeit von ihm. Unsere Fahrt ging in den Norden, ca. 1/2 Stunde. Hier erwartete uns der „Jameos  del Agua“, ein eingestürzter Lavatunnel ( die Sturzstellen nennt man „Jameo“). Über holprige Lavastufen stiegen wir in den kleinen Tunnel hinunter. Große Farne, Gummibäume und Kakteen dekorierten den Abstieg. Im Gewölbe nisteten Vögel. Als erstes erreichten wir das Restaurant der Anlage. Eingebettet in eine Lavaterrasse, mit Blick in den Tunnel. Von hier aus steigt man noch einmal tiefer und blickt in eine große gähnende Öffnung, (60m lang, 20m breit und 20m hoch).

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Am anderen Ende ist der Lavatunnel offen. Es  schimmert ein dunkler, türkisfarbener Salzsee durch die gesamte Grotte. Durch das poröse Basalt und Lavagestein ist der See mit dem Meer verbunden. Je nach Gezeiten steigt und fällt der Wasserstand. Auf dem klaren Grund des See konnte man Fingernagel große weiße Tierchen sehen. Es handelte sich um lichtempfindliche und fast blinde Albinokrebse, eine auf der Welt einmalige Art. Ihre nächsten Verwandten leben in der Tiefsee. Es konnte noch nicht geklärt werden warum die Krebse gerade hier auftreten.

Salzsee Jameo.JPG

Leise sphärenhafte Musikklänge begleiteten uns auf den schmalen Pfaden um den See zur nächsten Tunnelöffnung. Schade, dass sich so viele Menschen durch die Gänge drängelten, so konnte man die einmalige Atmosphäre, die den Höhlensee umgibt, nicht spüren. Über Stufen steigt man hinauf zum „Jameo Grande“, dem zweiten Einbruch des Lavatunnels. Es ist ein unheimlicher Kontrast zum bereits Gesehenen. Unter der hellen Sonne erstreckt sich in subtropischer Pflanzenwelt  ein strahlend türkisfarbener Pool in einer elegant geschwungenen Form. Die gekalkten Stufen und Wege sehen  aus wie mit frisch gefallenen Schnee gepudert. Schlanke Palmen und pralle Papayas zieren das triste schwarze Lavaloch. Aus der Höhle steigend fühlt man sich wie geblendet. Hier sollte man sich unbedingt etwas aufhalten, denn der Blick über den Poolbereich ist einfach umwerfend.

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Am Ende des Pools liegt der Eingang zum berühmten Auditorium (Konzertsaal) von Jameos del Agua. Der Saal ist in eine schräg nach unten abfallende Höhle eingebaut und fasst etwa 700 Personen. Die einmalige Atmosphäre und die kompakte Akustik ist für Konzerte wie geschaffen. Vom Poolbereich steigt man eine Wendeltreppe zur Galerie hinauf, die sich in Höhe der Erdoberfläche befindet. Von hier oben ist ein guter Blick über die gesamte Anlage, aber auch weit hinaus in die freie Natur mit dem Meer im Hintergrund. Zuletzt gingen wir dann noch die „Casa de los Volcanes“, eine Mess- und Beobachtungsstation zur vulkanischen Tätigkeit auf Lanzarote besichtigen. Mehrmals wöchentlich finden Abendveranstaltungen im Konzertsaal statt. Der „Jameos del Agua“ gilt als schönstes Werk des Künstlers Cesar Manrique.

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Auch hier ein Tipp, „Erst Mittags kommen, dann sind die Besucherbusse wieder weg. Nachmittags ebbt der Trubel etwas ab“.

 

„Cueva de los Verdes“

ist eine zweite Höhle nicht weit vom „Jameos del Agua“ entfernt. Am besten besichtigt man sie gleich im Anschluss. Der Eingang liegt ca. 1 km entfernt. Eine Besichtigung ist nur mit Führung möglich, sie dauert 45 Minuten. Die Höhlenführer sprechen leider nur Spanisch und ein klein wenig Englisch. An der Kasse erhält man aber eine erklärende Broschüre in Deutsch. Beim Ausbruch des Monte Corona vor etwa 3000 Jahren entstand unter der Oberfläche ein großes unterirdisches Höhlensystem. Die Oberfläche des Lavameeres sind erkaltet und unter der Erde bildeten sich kilometerlange Röhren, durch die die Glutströme bis ins Meer abflossen. Von diesem Tunnel sind ca. 2 km zur Besichtigung freigegeben und ausgebaut worden. In der „Cueva de los Verdes“ wurde ein Weg angelegt und vom Künstler Jesus Soto mit Lampen eindrucksvoll ausgeleuchtet. Aus der Sonnenwärme und Tageshelle steigt man 50 m tief unter die Erdoberfläche. Mit bis zu vier Stockwerken (Galerias) übereinander ist der Tunnel fast 40 m hoch. Die Temperatur  beträgt konstant 18 Grad. Vom grossen Eingangsloch der Höhle geht man in langer Schlange einen engen gewundenen Gang hinunter, immer wieder musste man dabei den Kopf einziehen. Der arme Helmut hat sich ganz schön zusammengefaltet. Unten kamen wir in eine grosse hallenartige Verbreitung des Ganges. Sehr schön beleuchtet kamen die verschiedenen Bestandteile der Wände zur Geltung – rote Einlagerungen von Eisenoxid, weißes Kalziumsulfat (Gips), schwefeliges Phosphorgelb und schwarzes Magnesium. Manchmal schob sich die Decke so niedrig über den Weg, dass man sich tief bücken musste. An der tiefsten Stelle des Rundgangs kamen wir durch einen Konzertsaal, hier waren eine ganze Reihe von Stühlen aufgestellt. Auch hier finden gelegentlich Konzerte statt.

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Am Ende der Strecke stiegen wir dann in eine höhergelegenen Höhlengalerie hinauf. Dort erwartete den Besucher ein sehr überraschender Abschluss, – die perfekte optische Illusion und ein echter Knalleffekt, den ich hier nicht verraten möchte, damit spätere Besucher auch noch in den Genuss der Überraschung kommen. Hier endete die Führung und wir stiegen gemeinsam wieder hinauf ins helle Sonnenlicht.

 

Mirador del Rio

Einige Tage später fuhren wir noch einmal an die äußerste nördliche Inselspitze, ganz in die Nähe des Famara Gebirges. Am ersten Tag unserer Rundfahrten machten wir eine eindrucksvolle Wanderung am Rande dieser Berge.

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Wie ein Adlerhorst klammert sich der Aussichtspunkt Mirador del Rio in den Felshang. In 480 m Höhe, in einer perfekten Naturfassade, ist der Mirador kaum zu sehen. Wer mit dem Auto anreist, erkennt zunächst vom Mirador so gut wie gar nichts. Würde man nicht auf einen Parkplatz gelangen und nach passieren der Kasse über einen Gang in den grossen höhlenartigen Raum ankommen.

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Hier war eine Cafeteria eingerichtet. Abgerundete Panoramafenster gaben einen Blick frei, so fantastisch und unwirklich wie aus einer anderen Welt. Wir setzten uns an einem der kleinen Tische direkt ans Fenster. Tief unten lag flach ausgebreitet die Insel La Graciosa im Meer. Wie Spielzeug wirkten die kleinen Würfelhäuschen des Hafenortes Caleta de Sebo. Nachdem wir unseren Kaffee und Cappuccino ausgetrunken hatten stiegen wir eine Wendeltreppe hoch. Am Souvenirshop vorbei bis wir aus dem glasgefassten Ausguck ins Freie traten und auf dem Dach ankamen. Ging man durch die Seitentüren der Cafeteria gelang man direkt auf die Panoramaterrasse.

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Hier blies ein kräftiger Wind aber der Ausblick über die Meerenge  und der Steilhang, der 500 m tief zum flachen Küstenstreifen abging, waren spektakulär. Die Felsenküste gehörte zum Famara- Kliff. Ganz unten war auch ein heller Sandstrand zu erkennen, der Playa del Risco, ein Strand der Superlative, der nur durch einen langwierigen Abstieg per Fuss zu erreichen ist, den Trampelpfad konnte man deutlich erkennen. Der Mirador del Rio war eines der ersten grossen Werke Cesar Manrique auf Lanzarote. Auf die Idee brachte ihn der Madrider Stararchitekt Fernando Higueras. Dieser wollte hoch über der Bucht ein luxuriöses Feriendorf in den Felsen bauen. Doch Manrique entwickelte daraus sein Mirador-Projekt.

Zwischen unseren Besichtigungen machten wir zur Abwechslung immer wieder Strandwanderungen und Vulkanwanderungen. Die Wanderungen sind beschrieben auf Helmuts Blog.

 

 

 

 

 

8 Gedanken zu “Cesar Manrique

  1. Hach, wie wunderschön!
    Dankeschön für diese Bilder und den Bericht dazu.
    Ich war vor einigen Jahren auch dort – herrlich.
    Und im kommenden Herbst werde ich noch einmal dorthin fahren.
    Ich nutze Deinen Reisebericht als Vorfreude darauf 😉
    Viele Grüße!
    Lo

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    1. Oh ja, während ich die Berichte schreibe befinde ich mich noch in der Nachfreude, Du hast alles noch vor Dir. Die Vorfreude, die Hauptfreude – während
      des Urlaubs – und dann die Nachfreude.
      😀😀😀 Herzliche Grüsse

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