Nordinsel, Neuseeland

Teil III, Die Maori-Kultur

Heute morgen nehmen wir Abschied von der Bay of Islands. Ich könnte mir vorstellen noch länger hier zu bleiben. Aber wir sind noch hoch im Norden und müssen zurück, über Auckland, weiter in den Süden. Unsere Fahrzeit mit dem Bus wird heute 7 Stunden betragen.

Unseren ersten Busstop legten wir ein in Kawakawa, eine sogenannte Zwangs-Pipi-Pause. Denn hier gibt es eine öffentliche Toilette von Friedensreich Hundertwasser. Er lebte viele Jahre in Kawakawa. Er entwarf den Plan und betreute den Bau persönlich, also ein echter Hundertwasserbau. F. Hundertwasser verstarb im Jahr 2ooo bei einer Europa-Reise.

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In Rotorua, dem sogenannten Thermalzentrum Neuseelands hatten wir 1 Übernachtung im Hotel Sudima geplant. Schon aus etlichen Kilometern Entfernung konnten wir den  unangenehmen Geruch, wie von faulen Eiern, wahrnehmen. Angeblich sollte man sich an diesen Schwefelgeruch gewöhnen. Auffallend ist, dass hier der Anteil der Maori an der Bevölkerung Rotoruas wesentlich höher ist als in anderen Landesteilen. Deshalb widmen wir uns am Abend auch der Maori Kultur. Der typische Maori-Show-Abend beginnt im Bus, der die Gäste in der Stadt einsammelt und zum „Dorf“ bringt. Weil der Bus eigentlichen ein „Waka“ (Kriegskanu) ist, wird nach einigen Paddelübungen ein Häuptling gewählt, der die Besatzung nach der Ankunft beim „Powhiri“ (das Begrüßungsprotokoll) vertritt. Australier und Amerikaner übernehmen gern den Job. Am  Dorf angekommen tanzt ein Maori Krieger vor den Gewählten mit wilden Drohgebärden, danach wird ein Friedenssymbol übergeben.

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Dann strömen die Gäste ins „Marae“ (Versammlungshaus). In der Art eines Freilichtmuseums demonstrieren die Maori vor kleinen Hütten altes Kriegshandwerk, die Frauen zeigen Tänze. Die Mythen  und  Legenden werden zu weichgespülter Gitarrenbegleitung auf die Bühne gebracht. Erzählt wird, dass man manchmal auch Melodien aus dem europäischen und amerikanischen Volksliedfundus heraushören kann. Höhepunkt ist jedenfalls der von martialischen Gesichtsgrimassen unterstrichene Kriegstanz „Haka“. Er wird solange gezeigt, bis der letzte Besucher die ausgestreckte Zunge und die weit aufgerissenen Augen auf den Foto-Chip gespeichert hat.

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Anschließend wurde das „Hangi“ aus dem Erdofen geholt. Das Essen war köstlich und sehr reichhaltig, dazu gut organisiert im Ablauf der einzelnen Gänge, für die große Menschenmasse die hier platzgenommen hatte. Nach dem „Poroporoaki“ (der Verabschiedung) rollte unser „Waka“ mit laut singender Besatzung, zurück zu den Unterkünften. Für diesen Urlaub hatte ich meinen Bedarf an Folklore gedeckt. Nach dem langen Fahrtag waren wir auch ziemlich froh im Hotel anzukommen. Auch erwartete ich freudig die morgige Weiterfahrt, denn der penetrante Schwefelgestank war auf Dauer nicht mein  Ding.

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Früh starteten wir zum Tongariro Nationalpark, einer der ersten Natoionalparks der Erde (1894). Er besteht aus drei Vulkanen: Mt.Ruapehu, Ngauruhoe und Tongariro. Zwei der Vulkane sind auch heute noch unregelmässig aktiv. Durch den ganzen Nationalpark zieht sich ein gutes Wanderwegenetz, ist aber wegen seines schnellen Wetterwechsels gefürchtet. Im Winter ist der Mt.Ruapehu ein beliebtes Skigebiet. Aber die erste Wanderung führt uns zunächst durch das Waimangu Thermal Valley ein sehr aktives Geysirgebiet, Flying Pan Cake (Bratpfannensee) die größte Heißwasserquelle der Welt. Weiter geht es nach Wai-O-Tapu (heiliges Wasser).Hier laufen wir zwei Stunden durch die dampfenden, zischenden und farbenprächtigen Seen. Es war sehr beeindruckend – ein echtes Highlight.

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Und immer wieder neue brodelnde Schlammbecken, rauchende Schlote und Sinter-Terassen in allen  Farben. Am Ende des Tages habe ich soviel heiße Töpfe gesehen, dass ich mich kaum noch an die einzelnen erinnern konnte. Zum Glück hatten die meisten Namen wie z.B. „Devils Ink Pots“ (Tintenfässer des Teufels).

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Auf der Rückfahrt haben wir noch einen Stopp eingelegt bei den malerischen „Huka Falls“, 220.000 Liter Wasser strömen durch eine  natürliche Verengung um anschließend 11 Meter in die Tiefe des „Waikato  Flusses“ zu stürzen. Randvoll von den vielen Eindrücken des Tages erreichen wir unsere „The Park Traveller Lodges“, wo wir zwei Nächte unser müdes Haupt niederlegen können. Es war eine einfache Unterkunft – Art Jugendherberge -, oder wie eine Hütte in den Bergen. Das Abendessen war mehr als reichhaltig und deftig und das Bier schmeckte wie immer gut.

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Der nächste Tag stand für Wanderungen im Tongariro Gebiet zu freien Verfügung. Wir nahmen an einer Wanderung zu den Taranaki Falls und den Tama Lakes teil (ca. 5 Std. Gehzeit). Das Wetter war herrlich und es machte Spaß durch die schroffe, windzerzauste Gebirgslandschaft zu wandern. Bei den Tama Lakes machten wir Halt für einen Picknick. Konnten aber nicht lange sitzen bleiben, weil der Wind hier sehr scharf blies. Deshalb taten wir uns mit einigen anderen aus der Gruppe zusammen und stiegen weiter den Berg hoch, von dort hatten wir einen fantastischen Ausblick hatten auf die Tama Lakes die tief grün/blau unter uns schimmerten. Das entschädigte vor dem etwas unschönen und rutschigen Abstieg durchs Geröll. Beim Taranaki Fall trafen wir wieder auf die Teilnehmer, die sich für andere Wanderungen entschieden hatten. Bald kam unser kleiner Bus und holte uns ab, zur Rückfahrt ins Hotel. An diesem Abend gab es auch nur Salat, nachdem wir tags davor mit übervollem Bauch nicht einschlafen konnten. Der nächste Tag war dann wieder ein Fahrtag.

 

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Es ging weiter bis nach Wellington, unserer letzten Station auf der Nordinsel. Die Fahrt dauerte ca. 5 Stunden, durch die Küstenebene der Tasman-See, vorbei an dem Vogelschutzgebiet der vorgelagerten Kapiti-Inseln. Bald erreichten wir dann Wellington, Hauptstadt Neuseelands (knapp 300.000 Einwohner). Als erstes wurde eine kleine Stadtrundfahrt, zur Orientierung unternommen. Entlang der Ufer Promenade, am Parlamentsgebäude vorbei und auf den Mont Victoria.

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Von hier aus bot sich eine gute Aussicht auf den Hafen und die Stadt, die im Halbkreis um die geschützte Bucht Port Nicholson liegt. Im Hotel angekommen stürzten wir uns zuerst auf die Waschmaschine und den Trockner. Die meisten Hotels hier in Neuseeland bieten das an, weil die Reisenden meist lange unterwegs sind und nicht soviel Kleidung mit sich herumschleppen wollen.  Zwischenzeitlich waren wir in einem der Mega-großen Supermärkte um einzukaufen, (Obst, Käse, Wurst, Nüsse, Wasser und Brot (Proviant für die nächsten Tage). Wie immer waren wir auch auf der Suche nach Schwarz- oder Körnerbrot, leider vergeblich. Anschließend mussten wir lange suchen nach einem netten Restaurant zum Abendessen, was wir dann fanden, war schmuddelig und das Essen nicht gut. Anscheinend sind wir in  die falsche Richtung gelaufen.

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Der gesamte nächste Tag stand für eigene Aktivitäten zur Verfügung. Bei unseren morgendlichen Rundgang durch die Stadt haben wir dann das Viertel gefunden, in dem sich viele Speiselokale befanden, so dass wir am Abend nicht mehr suchen mussten. Auch die Station der „Cable Car“ haben wir schnell entdeckt. Bis zur Bergstation Kelburn-Station sind wir gefahren. Wellington liegt zwischen Bergen und Meer, die Stadt von oben zu sehen ist eine wahre Augenweide. Von der Bergstation schaut man den Hochhäusern des Business District auf die Dächer und der Harbour bildet den Hintergrund. Das Cable Car Museum, im alten Kabelhaus der Bergstation informiert über die mehr als 100-jährige Geschichte der Bergbahn.

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Daneben ist ein Zugang in den beeindruckenden Botanischen Garten. Mit dem Treehouse Visitor Center, wo man fachmännischen Rat für Gartenprobleme einholen kann, und dem gut sortierten Gartenshop im Begonia House, ist er nicht nur eine grüne Oase, sondern auch ein „must visit“ für jeden Hobbygärtner. Ein weiteres Highlight ist Lady Norwood Rose Garden mit über 100 Rosenarten . Unsere Zeit war Sommer – alles blühte.

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Zu Fuß gingen wir zurück, bergab ging es schneller. Durch die Innenstadt zum Museum of New Zealand „Te Papa Tongarewa,“den Nachmittag haben wir uns extra dafür freigehalten. Leider haben wir dieses Museum nicht ganz geschafft anzusehen. Es gab soviel Interessantes zu sehen, dass wir nicht alle Etagen anschauen konnten. Auf 6 Ebenen gab es Wissenswertes über die Besiedlungsgeschichte Neuseelands, Flora und Fauna, die Kultur der Maori, Tiere zu Land, zu Wasser und in der Luft, einschließlich Vulkanismus. Es gab auch eine Simulation in einem Erdbebenhaus.

Wieder einmal hatte ich das Gefühl noch mindestens 1 Woche länger in Wellington zu bleiben, aber am nächsten Morgen mussten wir mit Gepäck und Reisebus auf unsere Fähre zur Südinsel, es gab noch vieles zu sehen.

5 Gedanken zu “Nordinsel, Neuseeland

  1. Danke, für Deinen netten Kommentar. Richtig ich habe schon viel erlebt und bin viel rumgekommen, ich schreibe bei meinen Reisen immer ein Reisetagebuch, dann fällt
    es mir leichter die Berichte und Geschichten zu erstellen.
    Herzliche Grüsse und ein ganz schönes Weihnachtsfest, wo immer es sein mag.
    Petra

    Gefällt 2 Personen

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