Der ultimative Supermarkt

Vor einiger Zeit war ich mit meiner Freundin Inge in Frankreich, in der Bretagne. Französisch ist eine der wenigen Fremdsprachen die sie beherrscht. Immerhin hatte sie sieben Jahre Französisch in der Schule. Etwas enttäuscht war ich schon, als ich feststellen musste, dass praktisch kein Franzose ihr Französisch verstand.

Zuerst konnte ich mir das nicht erklären, dann wurde mir klar dass sie wahrscheinlich ein altes Hochfranzösisch sprach, dass heute kaum noch jemand beherrscht. Auch meine Freundin meinte, dass sie ein überkorrektes Schulfranzösisch spräche. Trotzdem sind wir ganz gut klar gekommen. Oftmals wurde direkt auf Deutsch geantwortet.

Kurz hinter Rennes, auf der grünen Wiese, gibt es einen typischen französischen Mega Supermarkt. Die Werbung behauptete, dass man in diesem Monstersupermarkt dass Einkaufen der Zukunft erlebt. Der Markt war futuristisch designt und hatte eine einmalige Frische Theke. Es gab mehrere Computerterminals, wo man seine Bestellungen einfach eintippte. Dann konnte man in Ruhe andere Einkäufe erledigen, und am Ende holte man die schön verpackte Wurst-,Fleisch-,Fisch- und Käsebestellung an der Ausgabe ab. So war es auf den Abbildungen zu erkennen, die dieses Prinzip erläuterten. Das Einkaufen sollte viel entspannter, genussvoller und schneller gehen. Leider war alles in modernen Französisch geschrieben, was für Inge Zukunftsfranzösisch war.

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Aber es stimmte, es gab keine langen Warteschlangen an der Frische Theke. Trotzdem ging es nicht so richtig weiter, weil der Auflauf vor der Beschwerdestelle bis weit an die Frische Theke reichte. Hier standen alle die Kunden der Frische Theke mit ihren Paketen und debattierten, weil sie beispielsweise, ihren gewünschten milden Ziegenkäse nicht erhalten haben und sich mit einem Alternativangebot, einer Schweinskopfsülze, nicht abfinden wollten. Feststellen konnte man, dass das Einkaufen der Zukunft wunderbar entspannt und unkompliziert war, ein Genuss und eine Freude. Dafür aber das Reklamieren und Umtauschen sich erheblich hinzog. Manche Lebensmittel waren, bis das dann abgeschlossen war, schon abgelaufen. Wenn man sich allerdings nicht so anstellte und einfach zufrieden war, mit den Dingen die man bekam, funktionierte es tadellos. Stress hatten nur die Unzufriedenen und Querulanten, die auf ihre eigentliche Bestellung bestanden, statt flexibel auf den Markt zu reagieren.

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Ein zweiter Einblick in das Einkaufen der Zukunft gewährte uns das Café des Marktes. Dort wurden alle Kunden zu einem Gratis-Überraschungsfrühstück eingeladen. Die erste Überraschung war der Preis. Das Gratis-Frühstück kostete fünf Euro. Ich bin wahrscheinlich niemand, der sich wegen jeder Kleinigkeit beschwert, will jetzt auch nicht klugscheißen, aber ich finde, Dinge, die umsonst sind, sollten auch weniger als fünf Euro kosten. Wobei, im Prinzip war das Frühstück schon umsonst, also irgendwie; Genau genommen zahlte man fünf Euro und erhielt dafür einen Gutschein, für den man später an der Kasse fünf Euro zurück bekam, wenn man für mindestens zwanzig Euro Produkte des großen französischen Lebensmittelkonzerns eingekauft hatte. „Es ist ganz einfach“ stand über den Erklärungstafeln, wogegen nichts zu sagen ist.

Am Ausgang des Supermarktes der Zukunft gab es natürlich Selbstservices-Kassen. Ja, was denn nun ? Selber machen oder Service ? Es heißt Waren selber einscannen und mit Karte bezahlen. Nur eine menschliche Servicekraft schaut zu und hilft, wenn es Probleme gibt. Und es gab sehr viele Probleme, praktisch immer. Diese Art des Bezahlen hat ungefähr zwanzigmal so lange gedauert, als wenn eine versierte Kassenkraft die Waren übers Band zieht und gescannt hätte. Wenn man bedenkt, das viele Leute schon um die passenden Münzen aus dem Portemonnaie zu suchen, Minuten brauchen, also gefühlte drei Stunden, wie ist das denn wenn die ihre gesamten Einkäufe einscannen müssen ? Die Wartezeit wird Jahrzehnte dauern.

Ja, das ist mir auch schon bei IKEA begegnet, da habe ich meinen vollen Einkaufswagen an der Kasse stehen lassen und bin ohne Einkäufe nach Hause gefahren. Mein Regal, was ich eigentlich kaufen wollte gab es nicht, stattdessen hatte ich Servietten, Kerzen, Glühbirnen usw. im Einkaufswagen, kann man ja immer brauchen – aber dann auch noch Selbstservice – nein danke ! Außerdem will ich gar nicht immer alles selbst machen müssen. Ich muss schon allein zum Supermarkt gehen und auch wieder zurück. Das reicht mir vollkommen an Selbstgemachten.

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Ganz zum Schluss, kurz vor dem Ausgang unseres französischen Supermarktes, entdecke ich aber doch noch ein Gerät, das  mich begeisterte. Ein Getränkeautomat mit Sprachfunktion. Man wirft Geld ein, spricht seinen Getränkewunsch in ein Mikro, und dann gibt einem der Automat sofort das gewünschte Getränk. Ich bestellte mir einen „Café noir double, sans Sucre,“ also einen doppelten schwarzen Kaffee ohne Zucker. Der Automat sagte :“ Pardon, je ne comprends pas, reéssayez, sil vous plait“, also „Entschuldigung habe dich nicht verstanden, versuchen sie es bitte noch einmal“. Das wiederholte sich viermal, bis ich einen Hustenanfall bekam. Daraufhin gibt mir der Automat einen Cappuccino.

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Sofort steht ein Mann neben mir, der mich fragt was ich gesagt habe um den Cappuccino zu bekommen. Ich huste noch einmal und schon bekommt der Herr seinen Cappuccino. Also mein Französisch ist ein Zukunftsfranzösisch oder zumindest ein gutes Automatenfranzösisch.

 

 

 

 

2 Gedanken zu “Der ultimative Supermarkt

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