Neuseeländisches Aufzug-fahren

Teil I

Mit einem sanften Ruckeln setzte die Maschine auf. Ich konnte es kaum erwarten nach 25 Stunden Flug aufzustehen und mich auszustrecken. Etwas gedulden musste ich mich noch bis die Motoren abgestellt wurden. „Klack, Klack,“ die ersten Reisenden öffneten ihre Sicherheitsgurte. Die Stewardessen gingen durch die Gänge und öffneten die Klappen zur Entnahme des Handgepäcks. Beim Ausstieg atmete ich tief die frische, milde Luft ein. – Neuseeland, das Sehnsuchtsland vieler Einwanderer – Der Himmel so blau und klar, die Wolken ziehen in großen Gebilden. Die Luft schmeckt und riecht nach Meer. Von allen Seiten bläst ein starker Wind über die Insel, als wären alle Fenster geöffnet. So ist der erste Eindruck von Auckland auf der Nordinsel von Neuseeland. Rasch sind die Einreiseformalitäten erledigt und wir können unser Gepäck abholen. Gute 4 Wochen werden wir durch Neuseeland reisen, zuerst über die Nordinsel, dann die Südinsel, wo wir von Christchurch aus wieder unseren Rückflug starten. In der Flughafenhalle holt uns unser Reiseleiter ab, er ist Deutscher und lebt mit seiner Familie schon seit Jahren in Neuseeland. Viel kann er uns aus seinem Alltag und Leben hier erzählen.

 

Auckland, Neuseeland.jpg

 

Zuerst begeben wir uns auf eine kurze Stadtrundfahrt durch Auckland der „City of Sails.“ Die Stadt ist mit 1,3 Millionen Einwohnern die Größte Neuseelands und dass wichtigste Handelszentrum. Rund 30% der gesamten Bevölkerung Neuseelands lebt in dieser attraktiven Stadt, die zwischen dem Pazifik und der Tasman See liegt. Vor mehr als 600 Jahren wurde das Stadtgebiet durch Maoris des Tainui Stammes benannt. Der Sage nach kamen ihre Vorfahren mit Kanus und siedelten hier. Im Jahr 1842 wurde Auckland von den englischen Kolonisatoren zur Hauptstadt Neuseelands ernannt, verlor diesen Status aber bereits im Jahre 1865 an Wellington. Wahrzeichen der Stadt Auckland ist die Hafenbrücke die, die nördlichen Vororte mit dem Zentrum verbindet: Bemerkenswert ist auch der weithin sichtbare Sky Tower mit 328 Metern das höchste freistehende Gebäude der südlichen Hemisphäre. (Erdkugelhälfte) Nach dieser informativen Stadtrundfahrt wurden wir ins Scenic Hotel gebracht und hatten Freizeit zu unserer Verfügung.

Am Morgen begann dann unsere Rundfahrt zunächst über die Nordinsel, aber zuerst wieder Koffer packen weil wir nur 1 Nacht in Auckland blieben. Jetzt freute ich mich auf das Frühstück, mein Lieblingsmann war schon vorausgegangen. Schnell sprang ich in den Aufzug und ab nach unten in den Frühstücksraum. „Oh, bin ich zu früh ausgestiegen ? Macht nichts, die letzte Etage kann ich zu Fuß über die Treppe gehen. Was ist das ? 3 Türen im Flur, alle 3 verschlossen ? Falsche Etage ? Wieder in den Aufzug rein, und ganz von oben anfangen, irgendwo muss es doch einen Ausgang geben ? Ich weiß schon nicht mehr auf welcher Etage ich denn zuerst eingestiegen bin“ ? Immer mehr macht sich in mir Panik breit. Ich klopfe an den verschlossenen Türen , keine Antwort nichts. „Ob die Anderen mich noch nicht vermissen, vielleicht suchen die mich schon“ ? Ich hatte das Gefühl, ich bin schon Stunden mit dem Aufzug rauf und runter gefahren. Jetzt fuhr ich noch einmal ganz runter. Und was sehe ich da – einen Innenhof , auf der Rückseite des Hotels, mit Torausfahrt auf die Straße. Um die Ecke herum war der Vordereingang zum Hotel – Na ja, so kann man auch in den Frühstücksraum kommen. Als ich den Raum betrat saßen noch einige wenige Mitreisenden beim Frühstück. Sie sahen kurz auf, grüßten oder nickten mir zu. Anscheinend bemerkte niemand wie aufgewühlt ich war. Ich hatte das Gefühl mein Kopf wäre knallrot und jeder könnte meinen rasenden Herzschlag hören. So lange war ich auch nicht fort um mich zu  vermissen. Ich zwang mich zur Ruhe, nahm mir eine Tasse Tee, trank in kleinen Schlückchen bis sich mein Atem beruhigte. Nach dem Frühstück ging es mir dann besser.

 

Tane Mahuta.jpg

 

Wir stiegen mit unserem Gepäck in den Reisebus. Hans Werner, unser Reiseleiter war auch gleichzeitig Fahrer des Busses. Ich war sehr froh, nicht selbst fahren zu müssen.  Der Linksverkehr hier in Neuseeland ist schon sehr gewöhnungsbedürftig. Unsereiner guckt grundsätzlich beim Aussteigen des Busses und überqueren der Straße in die „falsche Richtung,“ zumindest die ersten Tage, wenn man überraschend von rechtskommenden Fahrzeugen fast über die Zehen gefahren wird. Aber nach einigen Tagen und Schreck Momenten hatten wir das gelernt. Unsere Busreisezeit für heute beträgt ca. 5 1/4 Stunden für 360 km. Wir fahren nördlich von Auckland in die Provinz „Northland“  auch der „winterlose Norden“ genannt. Dieser Teil Neuseelands liegt in den subtropischen Breitengraden. Wir machen  eine kurze Wanderung durch den geschützten Waipoua-Kauriwald (Nationalpark). Hier befinden sich noch einige große Exemplare dieses stattlichen Baumes. Zusammen mit den kalifornischen Redwoods zählen die Kauris zu den mächtigsten Bäumen der Erde. Hier steht auch der „Tane Mahuta“ (Gott des Waldes) genannt, schätzungsweise 1200 Jahre alt (51,5 m hoch und 13,8 m Umfang). Nach der Waldwanderung  besuchten wir das Kauri Museum in Matakohe. Hier wurde die Holzverarbeitung gezeigt und die Gewinnung des Harzes durch die ersten Siedler. Als vor rund 200 Jahren die ersten Siedlungen der Weißen an der Bay of Island entstanden , breitete sich noch dichter Kauri Wald über das Northland aus. Die Maori hatten zuvor zwar Bäume für ihre Kanus und Häuser geschlagen, aber das gefährdete den Bestand nie. Die Weißen brauchten kaum mehr als 100 Jahre, um diesen einmaligen, in Jahrtausend den gewachsenen Naturschatz auf einen Bruchteil zu reduzieren und in überwiegend Farmland zu verwandeln.

 

Kauri Museum Matakohe.jpg

 

Müde vom Flug um die halbe Welt, den Jetlag noch in den Knochen, machten wir uns auf die Fahrt nach Paihia an der Bay of Islands, wo unser Hotel für die nächsten 3 Nächte auf uns wartete.

 

IMG_1387.JPG

 

Im Laufe des Tages hörte ich von einer Mitreisenden der das gleiche Dilemma mit dem Aufzug im Hotel passiert war. Auch sie ist nach einigem Hin und Her über den Ausgang im Hof rausgekommen. An der Rezeption sagte man ihr, es wäre Vorschrift in Neuseeland aus Sicherheitsgründen die Zwischentüren zum Treppenhaus geschlossen zu halten. Ich denke mal es hat Brandschutz Gründe ??? Meine nächste Aufzugsfahrt mache ich nicht mehr allein !

Beim Blick aus den Fenstern des fahrenden Busses sah ich die schönen blühenden „Pohutukawa“ Bäume und Sträucher, das ist der Neuseeländische Weihnachtsbaum. Er blühte um diese Jahreszeit (Dezember und Januar) in allen Parks und Vorgärten.

 

Pohutukawa, Neuseeländischer Weihnachtsbaum.jpg

 

 

 

 

 

 

2 Gedanken zu “Neuseeländisches Aufzug-fahren

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