Esmeralda, die Karibische Mitbewohnerin

Schon aus dem Flugzeug kann man die Form der Insel Guadeloupe bewundern, wie ein Papillon, umgeben von einem Schwarm kleiner Begleiter aus weiteren Inseln.

Beim Ausstieg hatten wir das Gefühl gegen eine Wand aus atemberaubender Hitze zu prallen. Die Schmetterlingsinsel begrüßt uns ausgesprochen freundlich. Die Anstrengung des Fluges ist vergessen, die Sonne sorgt für gute Stimmung.

In der Flughafenhalle treffen wir unseren Reiseleiter, der seine ankommenden Schäfchen einsammelt. Erstaunlich schnell erhalten wir unsere Koffer vom Transportband und können unsere überflüssige Kleidung ins Gepäck stopfen.

Zwei kleine Busse stehen bereit für zwölf Personen, leider ist nicht berücksichtigt worden, das unser Gepäck auch mit in den Bus muß. In gemeinsamer Arbeit werden die Koffer bis unters Dach gestapelt und die Durchgänge zur weiteren Ablage benutzt.

Während der eineinhalb Stunden kurvenreichen Fahrt in den Norden der Insel, erzählt uns der Reiseleiter etwas über die französischen Antillen. „Man mische französische Lebensart, afrikanische Rhythmen einen kräftigen Schuss tropischer Sonne, et voila´, fertig ist der karibische Cocktail,“ ein Stück Frankreich weit weg von Europa.

Guadeloupe, Martinique und weitere sieben kleine Eilande bilden seit 1946 keine Kolonie mehr, sondern ein Departement d´Outro-Mer, das den selben politischen Status hat wie eine französische Region auf dem europäischen Festland, eine EU-Enklave, rund 7000 km von Paris entfernt. Das wird von den meisten Einheimischen positiv gesehen. Sie verdienen drei- bis viermal soviel wie die Bewohner der Nachbarinseln und haben Teil am europäischen Sozialsystem. Aber das alles hat auch seinen Preis: Die französischen Antillen sind ausgesprochen teuer, für Einheimische ebenso für Besucher. Schaut man aus dem Busfenster, fallen sofort die Kreisel an den ehemaligen Kreuzungen auf, wie überall in Europa.

Gegen 18:00 Uhr erreichen wir den Ort Deshaies, hier ist unsere Unterkunft für die nächsten fünf Tage. Die Kleidung klebt am Körper als wir aus dem Bus klettern. Schnell und reibungslos geht die Zimmerverteilung. Zu unserer Überraschung sind es Lodges, einzelne Apartments aus Holz. „Aber, was soll es, Hauptsache die Dusche funktioniert.“

Etwas fassungslos stehe ich mitten im Zimmer und blicke mich um, es ist alles sehr spartanisch. Kein Schrank, nur ein Regal, das Bett sehr eng, nichts zum Ablegen für die Kleidung. „Es wird sich finden.“

Als nächstes reiße ich mir die Kleidung vom Leib und stürme unter die Dusche. Aus der Handdusche tröpfelt das Wasser. „Na, das kann ja heiter werden beim Haare waschen.“

Mein Blick schweift in die obere Ecke der Dusche, mir stockt der Atem.

Schwarze, haarige Beine ziehen eine handtellergroße Spinne über den Rand. Ich weiß nicht wer mehr Angst hat – die Spinne oder ich -. Mit großen Augen glotzt das Teil mich an. Aus meiner Erstarrung erwacht greife ich vorsichtig um die Ecke, zum Stiel des Duschabziehers. Kräftig klopfe ich hiermit gegen die Wand. Blitzschnell verzieht sich die Schwarze. Ich atme durch, so etwas habe ich noch nicht gesehen. Ich konnte noch nicht einmal schreien, was ich sonst tue, schon bei wesentlich kleineren Exemplaren.

Die Begegnung der Spinne behielt ich erst einmal für mich.

In den nächsten Tagen schloss ich die Badtür fest zu, damit kein Besuch ins Schlafzimmer kommt. Vor Eintritt der Dusche klopfte ich mit dem Wischerstiel kräftig die Wand ab, damit die Mitbewohnerin weiß, „Bad ist besetzt“.

Das geht gut, sie läßt sich nicht mehr blicken. Etwas enttäuscht bin ich schon sie nicht mehr zu sehen, es war trotz meiner Angst faszinierend.

Der Reiseleiter erzählte mir später, daß es sich um eine Vogelspinne handelt, die auf Guadeloupe und Martinique vorkommt.

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